Nachteile von ETFs: Welche Grenzen du kennen solltest

ETFs können deine Geldanlage vereinfachen, passen aber nicht automatisch zu jedem Anlageziel. Indexbindung, laufende Kosten und mögliche Konzentrationen gehören zu den Punkten, die du vor dem Kauf genauer betrachten solltest.

Hier erfährst du, welche Nachteile ETFs haben können, wie sie sich auf deine Anlage auswirken und worauf du bei der Auswahl achten solltest. So kannst du Vorteile und Grenzen besser gegeneinander abwägen.

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Nachteile von ETFs: Welche Grenzen du vor dem Kauf kennen solltest

ETFs können deine Geldanlage vereinfachen und den Zugang zu unterschiedlichen Märkten erleichtern. Trotzdem sind sie nicht für jedes Ziel geeignet. Auch ein günstiger und breit aufgestellter Fonds kann Verluste verursachen oder Eigenschaften haben, die nicht zu deiner Planung passen.

Dabei solltest du zwischen allgemeinen Anlagerisiken und den Besonderheiten eines ETFs unterscheiden. Kursverluste betreffen beispielsweise auch Einzelaktien und andere Investmentfonds. Die Bindung an einen bestimmten Index ist dagegen eine Eigenschaft indexorientierter ETFs. Entscheidend ist, welche Nachteile das konkrete Produkt für deine Geldanlage mit sich bringt.

Keine garantierte Rendite und kein fester Rückzahlungsbetrag

Ein ETF garantiert dir weder Gewinne noch die Rückzahlung deines eingesetzten Kapitals zu einem bestimmten Zeitpunkt. Sein Wert hängt von den enthaltenen Anlagen und der jeweiligen Strategie ab.

Bei einem Aktien-ETF können deutliche Kursrückgänge und längere Verlustphasen auftreten. Auch Anleihen-ETFs sind nicht automatisch wertstabil: Veränderungen der Marktzinsen oder der Kreditwürdigkeit von Schuldnern können ihre Entwicklung belasten.

Wenn du Geld zu einem festen Termin benötigst, ist diese Unsicherheit besonders wichtig. Die Möglichkeit, ETF-Anteile an der Börse zu verkaufen, bedeutet nicht, dass du dabei deinen ursprünglichen Einsatz zurückerhältst. Ein langer Anlagezeitraum bietet mehr Spielraum, beseitigt dieses Risiko aber nicht.

Viele Positionen bedeuten nicht automatisch breite Streuung

Ein ETF kann zahlreiche Wertpapiere enthalten und trotzdem starke Schwerpunkte aufweisen. Bei einer Gewichtung nach Marktkapitalisierung erhalten große Unternehmen regelmäßig einen höheren Anteil als kleinere. Dadurch können wenige Positionen die Entwicklung wesentlich beeinflussen.

Auch Länder- und Branchenkonzentrationen solltest du beachten. Ein Technologie-ETF verteilt das Geld zwar möglicherweise auf mehrere Unternehmen, bleibt aber von ähnlichen wirtschaftlichen Einflussfaktoren abhängig.

Mehrere ETFs lösen dieses Problem nicht zwangsläufig. Wenn du Produkte mit ähnlichen Bestandteilen kombinierst, hältst du viele Unternehmen mehrfach. Prüfe deshalb die tatsächlichen Gewichtungen und Überschneidungen. Der Beitrag zur Diversifikation erklärt, worauf es bei einer wirksamen Streuung ankommt.

Indexbindung: Du übernimmst die Regeln des gewählten Marktes

Ein indexorientierter ETF folgt grundsätzlich der Methodik seines Vergleichsindex. Du entscheidest dich damit nicht nur für eine Region oder Anlageklasse, sondern auch für bestimmte Auswahl- und Gewichtungsregeln.

Einzelne Unternehmen kannst du innerhalb des ETFs nicht selbst entfernen. Wenn dir beispielsweise die Branchenverteilung oder bestimmte Geschäftsfelder nicht zusagen, brauchst du einen anderen Index oder eine andere Anlagelösung.

Der ETF trifft außerdem normalerweise keine eigenständige Entscheidung, bei erwarteten Kursverlusten vollständig aus dem Markt auszusteigen. Er bildet die gewählte Strategie auch in schwachen Marktphasen weiter ab. Das ist Bestandteil des passiven Ansatzes und sollte zu deinen Erwartungen passen.

Daraus folgt jedoch nicht, dass aktive Fonds grundsätzlich besser vor Verlusten schützen. Auch ein Fondsmanagement kann Marktentwicklungen falsch einschätzen. Zudem gibt es aktiv verwaltete ETFs. Die Unterscheidung zwischen Produktform und Anlagestrategie erklärt der Artikel zum passiven Investieren mit ETFs.

Laufende Kosten und Handelskosten belasten dein Ergebnis

Viele indexorientierte ETFs haben vergleichsweise niedrige laufende Fondskosten. Kostenlos sind sie deshalb nicht. Die innerhalb des Fonds anfallenden Kosten mindern dessen Wertentwicklung.

Die Gesamtkostenquote, kurz TER, erfasst bestimmte laufende Fondskosten, aber nicht sämtliche Kosten deiner Geldanlage. Hinzukommen können beispielsweise Transaktionskosten innerhalb des Fonds, Depotgebühren sowie Kauf- und Verkaufsgebühren deines Brokers.

Ein weiterer Faktor ist der Spread zwischen Kauf- und Verkaufskurs. Häufiges Handeln kann diese Belastung erhöhen, selbst wenn keine klassische Ordergebühr anfällt. Gerade bei kleinen Beträgen solltest du prüfen, welchen Anteil feste Gebühren an deiner Anlage ausmachen.

Vergleiche deshalb die gesamte Kostenstruktur und nicht nur eine einzelne Kennzahl. Mehr dazu findest du unter ETF-Kosten und Gebühren.

Börsenhandel garantiert keinen günstigen Verkauf

ETF-Anteile lassen sich während der jeweiligen Handelszeiten handeln. Das schafft Flexibilität, garantiert aber weder einen bestimmten Preis noch eine sofortige Ausführung.

Bei starken Marktbewegungen oder eingeschränkter Handelbarkeit der zugrunde liegenden Anlagen können sich Spreads ausweiten. Der Börsenpreis kann außerdem vom rechnerischen Anteilswert abweichen. Sind wichtige Heimatmärkte der enthaltenen Wertpapiere geschlossen, kann die Preisermittlung schwieriger sein.

Eine Limitorder hilft dir, einen maximalen Kaufpreis oder minimalen Verkaufspreis festzulegen. Wird dieses Limit nicht erreicht, bleibt die Order möglicherweise unausgeführt. Auch nach einem erfolgreichen Verkauf benötigt die Abwicklung des Geschäfts Zeit.

Die ETF-Rendite kann vom Index abweichen

Ein Index ist ein Rechenmodell. Ein ETF muss seine Strategie dagegen tatsächlich umsetzen und dabei unter anderem Kosten, Zahlungsströme und Änderungen der Zusammensetzung berücksichtigen.

Deshalb kann die Fondsrendite von der Indexrendite abweichen. Diese Abweichung fällt nicht bei jedem Produkt gleich aus und muss auch nicht in jedem Zeitraum negativ sein.

Für die Beurteilung sind zwei Begriffe wichtig: Die Tracking Difference beschreibt den Renditeunterschied zwischen ETF und Index über einen Zeitraum. Der Tracking Error misst, wie stark die regelmäßigen Renditeabweichungen schwanken. Ein niedriger Tracking Error bedeutet deshalb nicht automatisch, dass der Renditeabstand besonders klein ist.

Achte beim Vergleich außerdem auf dieselbe Währung und eine passende Berücksichtigung von Ausschüttungen. Eine ausführliche Erklärung findest du unter Tracking Error und Tracking Difference.

Ausschüttungen sind weder fest noch garantiert

Bei einem ausschüttenden ETF können Höhe und Zeitpunkt der Zahlungen schwanken. Die Erträge hängen unter anderem von den enthaltenen Anlagen und den Ausschüttungsregeln des Fonds ab. Für feste monatliche Verpflichtungen sind sie deshalb nicht ohne Weiteres planbar.

Die Aussage, ETF-Dividenden seien grundsätzlich niedriger als die Dividenden von Einzelaktien, trifft jedoch nicht zu. Ein sinnvoller Vergleich muss Ausschüttungen ins Verhältnis zum investierten Betrag setzen. Außerdem unterscheidet sich die Ausschüttungsrendite je nach Strategie erheblich.

Auch die Bündelung vieler Aktien macht deren Dividenden nicht automatisch geringer. Fondskosten und steuerliche Effekte können das Ergebnis beeinflussen, doch daraus lässt sich kein allgemeiner Nachteil gegenüber jeder Einzelaktie ableiten.

Bei einem thesaurierenden ETF erhältst du keine entsprechende laufende Auszahlung, weil Erträge innerhalb des Fonds wieder angelegt werden. Ob das für dich ein Nachteil ist, hängt davon ab, ob du laufende Einnahmen benötigst. Vergleiche hierzu ausschüttende und thesaurierende ETFs.

Fonds können geschlossen oder verschmolzen werden

Du solltest nicht voraussetzen, dass ein bestimmter ETF dauerhaft unverändert bestehen bleibt. Anbieter können Fonds beispielsweise schließen oder mit anderen Fonds zusammenlegen.

Eine Fondsschließung bedeutet nicht automatisch, dass dein gesamtes Investment verloren ist. Sie kann aber dazu führen, dass du einen ausgezahlten Betrag neu anlegen musst. Dabei können Kosten entstehen und steuerliche Folgen relevant werden.

Auch bei einer Verschmelzung solltest du prüfen, ob das weitergeführte Produkt noch zu deinem ursprünglichen Anlageziel passt. Die Auswahl eines ETFs ist deshalb keine Entscheidung, die du anschließend nie wieder überprüfen musst.

Einfache Bedienung kann zu vorschnellen Entscheidungen verleiten

Ein ETF ist schnell gekauft. Ob seine Strategie zu dir passt, lässt sich dagegen nicht allein anhand eines bekannten Namens oder einer guten vergangenen Wertentwicklung beurteilen.

Gerade spezialisierte Produkte können komplexer sein, als ihre Darstellung vermuten lässt. Wer laufend zwischen den zuletzt erfolgreichen Themen wechselt, handelt außerdem zunehmend aktiv – und entfernt sich möglicherweise von seiner ursprünglichen langfristigen Planung.

Prüfe vor dem Kauf, welche Anlagen enthalten sind, wie die Strategie funktioniert und wodurch Verluste entstehen können. Orientierung bietet der Ratgeber zur ETF-Auswahl. Wichtige Produktangaben findest du im ETF-Factsheet und in den weiteren Fondsunterlagen.

Wann passen ETFs möglicherweise nicht zu deinem Ziel?

Ein Aktien-ETF kann ungeeignet sein, wenn du das Geld kurzfristig benötigst oder zwischenzeitliche Verluste finanziell nicht tragen kannst. Ein enger Branchenfonds passt wiederum nicht automatisch zu dem Wunsch nach einer möglichst breit gestreuten Aktienanlage.

Auch wenn du einzelne Unternehmen gezielt ausschließen oder ihre Gewichtung selbst bestimmen möchtest, kann ein vorgegebenes Indexportfolio deine Vorstellungen nur eingeschränkt erfüllen.

Das bedeutet nicht, dass ETFs insgesamt ungeeignet sind. Es zeigt vielmehr, wie wichtig die konkrete Auswahl ist. Unterschiedliche ETF-Arten erfüllen unterschiedliche Aufgaben und sollten nicht pauschal gleichgesetzt werden.

Fazit: Nachteile verstehen und bei der Auswahl berücksichtigen

Zu den möglichen Nachteilen von ETFs gehören laufende Kosten, Handelskosten, unerwünschte Konzentrationen und Einschränkungen durch die gewählte Indexmethodik. Hinzu kommen die Risiken der enthaltenen Anlagen sowie mögliche Änderungen oder Schließungen des Fonds.

Diese Punkte machen ETFs nicht grundsätzlich zu einer schlechten Geldanlage. Sie gehören aber genauso zur Beurteilung wie die Vorteile von ETFs.

Mein Tipp: Frage dich vor dem Kauf, welche Schwäche des ETFs für deine persönliche Planung besonders relevant wäre. Wenn du einen Kursrückgang nicht aussitzen kannst oder die Zusammensetzung nicht verstehst, solltest du zuerst deine Auswahl und Vermögensaufteilung überdenken.

1. Welche Nachteile können ETFs haben?

Zu den möglichen Nachteilen gehören laufende Kosten, Handelskosten, unerwünschte Konzentrationen und die Bindung an bestimmte Indexregeln. Auch eine Fondsschließung oder Verschmelzung kann Anpassungen erforderlich machen.

Welche Punkte für dich relevant sind, hängt vom ETF und deinem Anlageziel ab. Ein weltweit ausgerichteter Aktien-ETF unterscheidet sich deutlich von einem engen Themenfonds.

2. Kann ein ETF trotz breiter Streuung Verluste machen?

Ja. Eine breite Streuung reduziert die Abhängigkeit von einzelnen Wertpapieren, verhindert aber keine Verluste des gesamten Marktes. In einer Börsenkrise können viele enthaltene Anlagen gleichzeitig fallen.

Auch eine lange Haltedauer garantiert keine positive Rendite. Berücksichtige deshalb deinen Anlagezeitraum und deine finanzielle Belastbarkeit. Mehr dazu findest du bei den ETF-Risiken.

3. Warum ist nicht jeder ETF ausreichend diversifiziert?

Ein ETF kann sich auf ein Land, eine Branche oder ein bestimmtes Thema konzentrieren. Auch bei vielen enthaltenen Aktien können wenige große Unternehmen einen erheblichen Anteil ausmachen.

Prüfe deshalb neben der Anzahl der Positionen auch deren Gewichtung und die Länder- und Branchenverteilung. Mehrere ETFs mit ähnlichen Bestandteilen verbessern die Diversifikation nicht automatisch.

4. Ist die fehlende aktive Aktienauswahl ein Nachteil?

Ein indexorientierter ETF folgt grundsätzlich seinem Regelwerk. Er verkauft nicht allein deshalb, weil das Fondsmanagement einen Kursrückgang erwartet. Einzelne Unternehmen kannst du innerhalb des Fonds ebenfalls nicht selbst ausschließen.

Ob das für dich nachteilig ist, hängt von deinen Erwartungen ab. Aktive Fonds schützen nicht grundsätzlich besser vor Verlusten. Außerdem gibt es auch aktiv verwaltete ETFs.

5. Welche Kosten werden bei ETFs leicht übersehen?

Neben den laufenden Fondskosten können Order-, Sparplan-, Depot- und Handelsplatzgebühren anfallen. Auch der Spread zwischen Kauf- und Verkaufskurs sowie mögliche Währungsumrechnungskosten sind relevant.

Die TER allein erfasst nicht sämtliche Kosten deiner Anlage. Häufiges Handeln kann die Belastung zusätzlich erhöhen. Einen Überblick bietet der Ratgeber zu ETF-Kosten und Gebühren.

6. Kann ich einen ETF jederzeit zum gewünschten Preis verkaufen?

Nein. ETF-Anteile sind während der jeweiligen Handelszeiten handelbar, aber ein bestimmter Verkaufspreis ist nicht garantiert. Bei starken Marktbewegungen können Spreads steigen und die verfügbaren Preise ungünstiger ausfallen.

Mit einer Limitorder legst du einen Mindestverkaufspreis fest. Wird dieser nicht erreicht, bleibt die Order möglicherweise unausgeführt. Auch die anschließende Abwicklung benötigt Zeit.

7. Warum kann die ETF-Rendite vom Index abweichen?

Ein ETF muss seine Strategie praktisch umsetzen. Kosten, Steuern auf Fondsebene, Zahlungsströme und die Replikationsmethode können dazu führen, dass seine Rendite vom Vergleichsindex abweicht.

Die Tracking Difference beschreibt den Renditeunterschied über einen Zeitraum. Der Tracking Error misst dagegen die Schwankung regelmäßiger Renditeabweichungen. Die Unterschiede erklärt der Artikel zu Tracking Error und Tracking Difference.

8. Zahlen ETFs grundsätzlich weniger Dividenden als Einzelaktien?

Nein. Die Ausschüttungsrendite hängt von den enthaltenen Anlagen und der Fondsstrategie ab. Dass mehrere Aktien in einem Fonds gebündelt werden, macht ihre Dividenden nicht automatisch geringer.

Ausschüttungen können schwanken und sind nicht garantiert. Thesaurierende ETFs legen Erträge intern wieder an. Entscheidend ist die gesamte Wertentwicklung, nicht allein die Auszahlung. Mehr dazu unter ausschüttend oder thesaurierend.

9. Was passiert, wenn ein ETF geschlossen wird?

Bei einer Liquidation werden die Fondsanlagen grundsätzlich verwertet und die verbleibenden Erlöse an die Anleger ausgezahlt. Eine Fondsschließung bedeutet deshalb nicht automatisch einen vollständigen Verlust deiner Anlage.

Du musst den Betrag gegebenenfalls neu anlegen. Dabei können Kosten und steuerliche Folgen entstehen. Bei einer Verschmelzung solltest du prüfen, ob der weitergeführte Fonds noch zu deiner Strategie passt.

10. Wann passt ein ETF möglicherweise nicht zu meinem Ziel?

Ein Aktien-ETF kann ungeeignet sein, wenn du das Geld kurzfristig benötigst oder deutliche Wertverluste nicht tragen kannst. Ein enger Branchen-ETF passt wiederum nicht automatisch zu deinem Wunsch nach einer breit gestreuten Anlage.

Prüfe deshalb zuerst Ziel, Anlagezeitraum und Risikobereitschaft. Vergleiche danach die konkreten Produkte. Orientierung bietet die ETF-Auswahl Schritt für Schritt.

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