Tracking Error und Tracking Difference: ETF-Nachbildung verstehen

Wie genau folgt ein ETF seinem Index? Die Tracking Difference zeigt den Renditeabstand, der Tracking Error die Schwankungen der Renditeabweichungen. Erfahre, wie du beide Kennzahlen unterscheidest, richtig vergleichst und bei deiner ETF-Auswahl einordnest.

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Tracking Error und Tracking Difference: Wie genau folgt ein ETF seinem Index?

Zwei ETFs können denselben Index abbilden und trotzdem unterschiedliche Ergebnisse erzielen. Laufende Kosten, die Umsetzung der Nachbildung und weitere Einflüsse sorgen dafür, dass die Fondsrendite nicht immer mit der Indexrendite übereinstimmt.

Um diese Unterschiede einzuordnen, helfen Tracking Difference und Tracking Error. Beide beschreiben die Indexnachbildung, beantworten aber unterschiedliche Fragen: Wie groß war der Renditeabstand – und wie gleichmäßig folgte der ETF seinem Index?

Tracking Difference und Tracking Error im Überblick

Kennzahl Was sie misst Welche Frage sie beantwortet
Tracking Difference Die Renditedifferenz zwischen ETF und Vergleichsindex über einen bestimmten Zeitraum Wie viel besser oder schlechter entwickelte sich der ETF gegenüber seinem Index?
Tracking Error Die Schwankung der periodischen Renditedifferenzen, üblicherweise annualisiert Wie beständig folgte der ETF der Indexentwicklung?

Ein geringer Tracking Error bedeutet nicht automatisch einen kleinen Renditerückstand. Ein ETF kann seinem Index sehr gleichmäßig folgen und dabei dauerhaft etwas schlechter abschneiden. Deshalb solltest du beide Kennzahlen gemeinsam betrachten.

Was ist die Tracking Difference?

Die Tracking Difference beschreibt den Unterschied zwischen der Rendite eines ETFs und der Rendite seines Vergleichsindex über denselben Zeitraum.

Für die folgenden Beispiele verwenden wir diese Berechnung:

Tracking Difference = ETF-Rendite − Indexrendite

Erzielt ein ETF in einem Jahr 7,8 Prozent und sein Index 8,0 Prozent, ergibt sich:

7,8 % − 8,0 % = −0,2 Prozentpunkte

Der ETF liegt in diesem Beispiel um 0,2 Prozentpunkte hinter dem Index. Bei einer ETF-Rendite von 8,1 Prozent wäre die Tracking Difference dagegen positiv: Der Fonds hätte den Index um 0,1 Prozentpunkte übertroffen. Diese Berechnungsrichtung wird beispielsweise von Vanguard verwendet. 

Wichtig: Die Vorzeichenkonvention ist nicht überall gleich. Manche Datenquellen rechnen Indexrendite minus ETF-Rendite. Dort wird ein Rückstand als positiver Wert dargestellt. Lies deshalb immer die Definition der Quelle, bevor du einen Wert als günstig oder ungünstig bewertest.

Was ist der Tracking Error?

Der Tracking Error misst, wie stark die Renditeabweichungen zwischen ETF und Index im Zeitverlauf schwanken. Dafür werden wiederkehrende Zeitabschnitte betrachtet, beispielsweise tägliche oder monatliche Renditen.

Statistisch handelt es sich üblicherweise um die annualisierte Standardabweichung der periodischen Renditedifferenzen. Ein niedriger Wert zeigt, dass diese Differenzen vergleichsweise gleichmäßig waren. Ein höherer Wert zeigt stärkere Schwankungen.

Die Kennzahl sagt nicht, ob die Abweichungen überwiegend zugunsten oder zulasten des ETFs ausfielen. Ebenso wenig beschreibt sie die Schwankung des gesamten Fonds.

Ein ETF kann einen niedrigen Tracking Error haben und trotzdem stark an Wert verlieren, wenn sein Index ebenfalls stark fällt. Die Beständigkeit der Indexnachbildung ist etwas anderes als das allgemeine Anlagerisiko.

Beispiel: Gleicher Renditeabstand, unterschiedliche Schwankungen

Die folgende vereinfachte Tabelle zeigt hypothetische Renditedifferenzen für vier gleich lange Beobachtungsperioden. Es wird jeweils ETF-Rendite minus Indexrendite gerechnet.

Periode ETF A: Renditedifferenz ETF B: Renditedifferenz
1 −0,02 Prozentpunkte +0,08 Prozentpunkte
2 −0,02 Prozentpunkte −0,12 Prozentpunkte
3 −0,02 Prozentpunkte +0,03 Prozentpunkte
4 −0,02 Prozentpunkte −0,07 Prozentpunkte
Arithmetischer Durchschnitt −0,02 Prozentpunkte −0,02 Prozentpunkte

ETF A weist in jeder Periode denselben Renditerückstand auf. Die Schwankung dieser Differenzen beträgt im vereinfachten Beispiel null. Bei ETF B verändert sich die Differenz deutlich, obwohl ihr arithmetischer Durchschnitt gleich ist.

Das veranschaulicht die Aufgabe des Tracking Error. Die Tracking Difference über den gesamten Anlagezeitraum lässt sich daraus jedoch nicht einfach durch Addition oder Durchschnittsbildung ableiten. Dafür müssen die tatsächlichen ETF- und Indexrenditen über den Zeitraum miteinander verglichen werden.

Warum weicht ein ETF überhaupt vom Index ab?

Ein Index ist eine rechnerische Vergleichsgröße. Ein Fonds muss seine Strategie dagegen tatsächlich umsetzen: Wertpapiere handeln, Zahlungen verarbeiten und laufende Kosten tragen.

Mehrere Faktoren können die Nachbildung beeinflussen:

  • Laufende Fondskosten vermindern das Fondsvermögen.
  • Handelskosten und Indexanpassungen beeinflussen die Umsetzung.
  • Sampling kann zu einer anderen Zusammensetzung als im vollständigen Index führen.
  • Barmittel und Zahlungszeitpunkte können vorübergehende Abweichungen verursachen.
  • Steuerliche Behandlung auf Fondsebene kann von den Annahmen des Index abweichen.
  • Wertpapierleihe oder Swap-Konditionen können das Ergebnis zusätzlich beeinflussen.

Die einzelnen Effekte können sich verstärken oder teilweise ausgleichen. Die Tracking Difference ist deshalb keine reine Gebührenkennzahl.

Wie beeinflusst die TER die Tracking Difference?

Die Gesamtkostenquote, kurz TER, beschreibt laufende Fondskosten. Diese wirken sich auf die Fondsentwicklung aus und können einen Teil des Renditeabstands zum Index erklären.

Die Rechnung „Indexrendite minus TER“ ist allerdings nur eine Vereinfachung. Andere Einflüsse bleiben dabei unberücksichtigt. Ein ETF mit höherer TER muss deshalb nicht in jedem betrachteten Zeitraum die ungünstigere Tracking Difference aufweisen.

Eine höhere TER bedeutet auch nicht automatisch eine negative Anlagerendite. Entscheidend ist die Unterscheidung zwischen dem absoluten Ergebnis des ETFs und seinem relativen Ergebnis gegenüber dem Index.

Mehr über die unterschiedlichen Kostenarten erfährst du im Ratgeber zu ETF-Kosten.

Warum du TER und Tracking Difference nicht addieren solltest

Die tatsächliche Fondsrendite enthält bereits die Auswirkungen der laufenden Fondskosten. Wenn du die Tracking Difference betrachtest und anschließend die TER nochmals abziehst, berücksichtigst du diese Belastung erneut.

Nutze die Kennzahlen daher für unterschiedliche Aufgaben: Die TER informiert über ausgewiesene laufende Kosten. Die Tracking Difference zeigt, welches Ergebnis gegenüber dem Index tatsächlich entstanden ist.

Persönliche Brokergebühren und deine steuerliche Situation sind in einer üblichen, auf dem Nettoinventarwert basierenden Fondsrendite dagegen nicht vollständig enthalten. Dein persönliches Anlageergebnis kann deshalb von den veröffentlichten Fondsdaten abweichen.

Kann ein ETF seinen Index trotz Kosten übertreffen?

Ja, das ist möglich. Beispielsweise können Erträge aus Wertpapierleihe oder Unterschiede zwischen der tatsächlichen Quellensteuerbelastung des Fonds und den Annahmen eines Nettoindex einen Teil der Kosten ausgleichen oder übersteigen. Auch Sampling und Swap-Konditionen können das Ergebnis beeinflussen. 

Eine solche Überrendite ist keine Zusage für die Zukunft. Sie kann sich verändern, wenn sich Bedingungen oder Verfahren ändern.

Prüfe zudem zuerst, ob der Vergleich korrekt ist. Eine scheinbare Überlegenheit kann auch entstehen, wenn unterschiedliche Währungen, Zeiträume oder Indexvarianten gegenübergestellt werden.

Welche Rolle spielt die Replikationsmethode?

Vollständige physische Replikation, Sampling und synthetische Nachbildung können jeweils unterschiedliche Kostenquellen und Abweichungen verursachen.

Ein vollständig replizierender ETF hält grundsätzlich sämtliche Indexwerte, erzielt aber nicht automatisch dieselbe Rendite wie der Index. Ein Sampling-ETF kann trotz einer kleineren Auswahl sehr beständig folgen. Ein synthetischer ETF erhält die vereinbarte Indexentwicklung über Tauschgeschäfte, deren Konditionen ebenfalls relevant sind.

Die Methode allein legt weder Tracking Difference noch Tracking Error fest. Vergleiche deshalb die konkrete Umsetzung und die beobachteten Ergebnisse. Hintergründe findest du im Artikel zu den ETF-Replikationsmethoden.

So vergleichst du die Kennzahlen richtig

Für einen aussagekräftigen Vergleich müssen die Grundlagen zusammenpassen. Achte besonders auf diese Punkte:

Vergleichsmerkmal Darauf kommt es an
Referenzindex Möglichst derselbe Index; ähnlich klingende Namen reichen nicht
Indexvariante Kursindex, Brutto- oder Netto-Gesamtrendite unterscheiden
Währung ETF und Index in derselben Vergleichswährung betrachten
Zeitraum Übereinstimmende Anfangs- und Enddaten verwenden
Ausschüttungen Bei ausschüttenden ETFs müssen Erträge im Renditevergleich berücksichtigt sein
Berechnung Vorzeichen, Datenfrequenz und Annualisierung kontrollieren
Datenbasis Fondsrendite auf NAV-Basis von Börsenkursrenditen unterscheiden

Bei einem mehrjährigen Vergleich solltest du außerdem prüfen, ob die Tracking Difference als kumulierter Abstand oder als Differenz annualisierter Renditen angegeben wird. Diese Werte sind nicht unmittelbar austauschbar.

Nettoinventarwert und Börsenkurs nicht verwechseln

Für die Beurteilung der Fondsnachbildung werden häufig Renditen auf Basis des Nettoinventarwerts, kurz NAV, verwendet. Dein Kauf oder Verkauf erfolgt dagegen zu einem Börsenkurs.

Dieser kann vom NAV abweichen. Zusätzlich beeinflussen Spread und Brokergebühren deinen tatsächlichen Handel. Ein guter Tracking Error sagt deshalb nicht automatisch aus, dass deine konkrete Order günstig ausgeführt wird.

Die Unterscheidung hilft auch bei der Fehlersuche: Eine Abweichung zwischen Börsenkurs und NAV ist ein anderes Thema als eine Renditeabweichung zwischen Fonds und Index.

Wo findest du Tracking Difference und Tracking Error?

Angaben findest du je nach Anbieter auf der Produktseite, im ETF-Factsheet oder in Fondsberichten. Die Tracking Difference lässt sich auch aus passend aufbereiteten Fonds- und Indexrenditen ermitteln.

Für den Tracking Error benötigst du dagegen eine ausreichend lange Reihe periodischer Renditen. Ein einzelner Jahreswert reicht für seine Berechnung nicht aus.

Unterscheide außerdem zwischen einem historisch gemessenen und einem erwarteten Tracking Error. Eine Angabe im Verkaufsprospekt kann eine Erwartung beschreiben, während ein Bericht die tatsächlich beobachtete Nachbildung ausweist.

Wie wichtig sind die Kennzahlen für deine ETF-Auswahl?

Beide Kennzahlen helfen, ähnlich ausgerichtete ETFs zu beurteilen. Sie ersetzen aber nicht die Entscheidung, welchen Markt du überhaupt abdecken möchtest.

Ein eng konzentrierter Themen-ETF bleibt konzentriert, auch wenn er seinen Index sehr genau nachbildet. Umgekehrt sollte eine kurzfristige kleine Abweichung nicht automatisch einen Verkauf auslösen.

Betrachte mehrere Zeiträume und prüfe, ob sich Index, Kosten oder Replikationsverfahren geändert haben. Vergangene Werte sind hilfreiche Beobachtungen, aber keine Garantie für künftige Ergebnisse.

Der Leitfaden zur ETF-Auswahl ordnet die Nachbildungsqualität zusammen mit Marktabdeckung, Kosten und weiteren Produktmerkmalen ein.

Fazit: Renditeabstand und Beständigkeit gemeinsam betrachten

Die Tracking Difference zeigt, wie sich ein ETF über einen Zeitraum gegenüber seinem Index entwickelt hat. Der Tracking Error beschreibt, wie stark seine periodischen Renditeabweichungen schwankten.

Prüfe beide Kennzahlen auf einer einheitlichen Datenbasis und achte auf die verwendete Berechnung. So kannst du die Indexnachbildung besser beurteilen, ohne daraus eine Garantie für hohe Renditen oder geringe Verluste abzuleiten.

1. Was ist der Unterschied zwischen Tracking Difference und Tracking Error?

Die Tracking Difference zeigt den Renditeabstand zwischen ETF und Vergleichsindex über einen bestimmten Zeitraum. Der Tracking Error misst, wie stark die periodischen Renditedifferenzen im Zeitverlauf schwanken.

Die erste Kennzahl beschreibt somit das relative Ergebnis, die zweite die Beständigkeit der Nachbildung. Für einen vollständigen Vergleich sind beide hilfreich.

2. Wie berechne ich die Tracking Difference?

Eine gebräuchliche Berechnung lautet: ETF-Rendite minus Indexrendite. Erzielt der ETF 7,8 Prozent und sein Index 8,0 Prozent, beträgt die Differenz −0,2 Prozentpunkte.

Manche Quellen rechnen umgekehrt. Prüfe deshalb die Definition und verwende denselben Zeitraum, dieselbe Währung und eine passende Berücksichtigung der Ausschüttungen.

3. Ist eine negative Tracking Difference gut oder schlecht?

Das hängt von der Berechnungsrichtung ab. Bei ETF-Rendite minus Indexrendite bedeutet ein negativer Wert, dass der ETF hinter dem Index lag. Bei der umgekehrten Berechnung bedeutet er eine Überrendite.

Das Vorzeichen allein reicht deshalb nicht zur Bewertung. Kontrolliere immer die Erläuterung der Datenquelle.

4. Was sagt ein niedriger Tracking Error aus?

Ein niedriger Tracking Error zeigt, dass die periodischen Renditedifferenzen vergleichsweise wenig schwankten. Der ETF folgte seinem Index in diesem Sinne beständig.

Er kann trotzdem dauerhaft einen Renditerückstand aufweisen. Ein niedriger Tracking Error garantiert außerdem weder eine positive Rendite noch geringe Kursschwankungen des ETFs.

5. Kann ein ETF trotz Kosten besser abschneiden als sein Index?

Ja. Beispielsweise können Erträge aus Wertpapierleihe, die konkrete Indexumsetzung oder Unterschiede zur steuerlichen Berechnung eines Nettoindex Kosten teilweise oder vollständig ausgleichen.

Eine beobachtete Überrendite ist keine Zusage für die Zukunft. Prüfe zunächst auch, ob Fonds und Index auf einer tatsächlich vergleichbaren Datenbasis gegenübergestellt wurden.

6. Sollte ich TER und Tracking Difference zusammenrechnen?

Nein. In der tatsächlichen Fondsrendite sind die Auswirkungen der laufenden Fondskosten bereits enthalten. Die TER zusätzlich von einer darauf basierenden Rendite abzuziehen, würde diese Kosten erneut berücksichtigen.

Die Tracking Difference ist zudem keine reine Gebührenkennzahl. Persönliche Handelskosten musst du gesondert betrachten. Mehr dazu findest du im Überblick zu ETF-Kosten.

7. Welche Faktoren beeinflussen die Indexnachbildung?

Dazu gehören laufende Kosten, interne Handelskosten, Barmittel, Zahlungszeitpunkte, steuerliche Effekte auf Fondsebene und die Umsetzung von Indexänderungen.

Auch Sampling, Swap-Konditionen und Wertpapierleihe können eine Rolle spielen. Die Unterschiede erläutert der Beitrag zu den ETF-Replikationsmethoden.

8. Warum unterscheiden sich die Kennzahlen je nach Datenquelle?

Quellen können unterschiedliche Zeiträume, Währungen, Indexvarianten oder Vorzeichenkonventionen verwenden. Beim Tracking Error beeinflussen außerdem Datenfrequenz und Annualisierung den Vergleich.

Kontrolliere auch, ob die Fondsrendite auf dem Nettoinventarwert oder dem Börsenkurs basiert und ob Ausschüttungen berücksichtigt sind. Werte mit unterschiedlichen Grundlagen lassen sich nicht unmittelbar vergleichen.

9. Wo finde ich Tracking Error und Tracking Difference?

Angaben findest du je nach Anbieter auf der Produktseite, im ETF-Factsheet oder in Fondsberichten. Die Tracking Difference lässt sich auch aus passenden Fonds- und Indexrenditen ermitteln.

Für den Tracking Error brauchst du eine Reihe periodischer Renditen. Unterscheide außerdem zwischen historisch gemessenen Werten und einem erwarteten Tracking Error im Verkaufsprospekt.

10. Sollte ich einen ETF wegen schlechter Tracking-Werte wechseln?

Eine einzelne kurzfristige Abweichung ist kein ausreichender Wechselgrund. Prüfe mehrere Zeiträume und mögliche Ursachen, etwa Änderungen bei Index, Kosten oder Fondsstruktur.

Beziehe Marktabdeckung, Produktmerkmale sowie mögliche Handelskosten und steuerliche Folgen eines Verkaufs ein. Die Nachbildungsqualität ist ein Baustein deiner ETF-Auswahl, aber nicht das einzige Kriterium.

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