Private Altersvorsorge vom Staat gefördert?

von Aug 16, 2021Allgemein

Der Staat selber sagt zum Thema Altersvorsorge direkt: Jeder sollte zusätzlich zur gesetzlichen Rente privat Vorsorgen! Durch die Corona Krise haben dies vor allem jüngere anscheinend auch erkannt und die Zahl der Menschen, welche Aktien oder ETFs besitzen, hat sich enorm gesteigert. Dies liegt aber auch daran, dass zur Zeit die Zinsen im Keller sind und sich  Sparbuch und Co einfach nicht mehr lohnen. Dazu kommen heute sogar Strafzinsen bei vielen Banken, wenn eine gewisse Summe auf dem Konto geparkt wird. Zusätzlich steigt im Moment auch die Inflation immer weiter an und Geld einfach nur „zu Parken“ lohnt sich damit überhaupt nicht mehr.

Deutschland und und seine Sparkonten

Gerade in Deutschland waren Sparbuch, Tagesgeld und Bausparvertrag lange Zeit genau das Richtige, um Geld zu sparen und eventuell auch Vermögen aufzubauen. Das Thema Aktien und Börse war bei vielen Menschen einfach tabu. Für viele war dies viel zu kompliziert und auch irgendwie immer negativ behaftet. Es gab kaum positive Erfahrungen zu lesen oder zu hören. Irgendwie wollte anscheinend jeder auch nur etwas negatives zum Thema Börse hören und fühlte sich so in seiner eigenen Meinung dazu bestätigt.

Glücklicherweise hat sich dies ein wenig geändert und immer mehr Menschen in Deutschland sind heute im Besitz von Aktien und ETFs. Aufgrund der geringen Zinsen bleibt auch fast nichts mehr übrig, um wirklich privat für das Alter vorsorgen zu können. Ich selber habe leider auch viel zu spät angefangen, mich mit dem Thema Börse und Aktien zu beschäftigen. Mein eigenes Portfolio entwickelt sich positiv und soll mich im Alter, vor allem durch Dividendenzahlungen, unterstützen. Ich habe mich somit mit dem Thema ausführlich und etwas länger beschäftigt und habe dann im Oktober 2020 angefangen, selber in Aktien und ETfs zu investieren.

Private Altersvorsorge und staatliche Förderung

Die gesetzliche Rente ist nicht wirklich sicher und es kommen schon heute auch einige Nachteile hinzu. Das Rentenniveau sinkt immer weiter ab und auch die Besteuerung der Rente wird immer weiter ansteigen. Dazu kommt noch die Inflation und schon kann eine große Rentenlücke entstehen, auch wenn jahrelang gut in die gesetzliche Rentenkasse eingezahlt wurde.

Somit sagen auch unsere Politiker heute öffentlich, dass jeder private Altersvorsorge betreiben sollte. Bei solchen Aussagen gehen die meisten Menschen natürlich davon aus, dass der Staat diese Art der privaten Vorsorge auch entsprechend fördert. Die Frage lautet hier also: Fördert der Staat tatsächlich die private Vorsorge? Vor allem beim Blick auf Kleinsparer und Privatanleger.

Werden private Anleger vom Staat benachteiligt?

Der Staat sagt zwar, wir sollen zusätzlich privat Vorsorge betreiben und macht es uns doch auf der anderen Seite schwer, dies umzusetzen. In vielen anderen Ländern sind die Rahmenbedingungen viel besser und damit ist der Anreiz auch viel größer, sich privat mit Aktien und ETFs zu beschäftigen. Andere Länder haben für solche Investitionen und auch für die Dividenden viel niedrigere Steuersätze und die Freibeträge sind teils um ein vielfaches höher als bei uns in Deutschland.

Bei uns liegt der Freibetrag aktuell, bei einem Single, bei nur 801 Euro. Und dieser Freibetrag ist schon seit dem Jahr 2009 so festgesetzt und wurde bis heute nicht mal an die Inflation angepasst. Vor dem Jahr 2009 wurde der Sparerfreibetrag sogar immer weiter gekürzt und dies ist gerade für Privatanleger dann nicht wirklich ein großer Anreiz, sich mit dem Thema Aktien und Börse zu beschäftigen. Im Jahr 1999 lag der Freibetrag noch bei 6000 DM und dies sind umgerechnet 3068 Euro. Von solch einem hohen Freibetrag können wir Privatanleger heute nur Träumen.

Wenn der Freibetrag dann überschritten wurde, greift der deutsche Staat dann nochmal ordentlich zu. Es fallen dann Abgeltungssteuer und (immer noch) Solidaritätszuschlag an und dies schmälert den gewinn bei Verkauf der Wertpapiere schon ordentlich. Auch auf Dividenden trifft dies zu und der Staat hält die Hand auf, sobald der Freibetrag überschritten wurde. Dies macht aktuell also 26,37% an Abgaben! Eventuell kommt zusätzlich noch die Kirchensteuer hinzu und schmälert den Gewinn noch weiter.

So gesehen lässt sich schon sagen, dass Privatanleger hier stark benachteiligt werden und der Staat somit keine wirklichen Anreize schafft, damit mehr Menschen private Altersvorsorge betreiben. Für mich sieht ein staatlicher Anreiz für die private Altersvorsorge ganz anders aus. Eine Haltedauer von z.B. 5 Jahren wäre wünschenswert. Nach dieser Haltedauer sind realisierte Gewinne dann steuerfrei. Dadurch würden viele Privatanleger auch wirklich langfristig denken und eventuell auch früher anfangen, eigenes Geld in Wertpapiere zu investieren und so schon frühzeitig Vermögensaufbau betreiben.

Umdenken in der Politik?

Ein wirkliches Umdenken findet für mich aktuell in der Politik nicht statt. Außer der FDP haben andere Parteien nicht wirklich etwas dazu im Wahlprogramm und wenn doch, sind es meist nur allgemeine Sätze und nicht wirklich etwas konkrete. Es gibt aber auch Parteien, welche die Situation für uns Anleger noch weiter verschlimmern möchten. Hier wird die Keule geschwungen, dass „die reichen“ das Problem sind und wenn diese auch noch ihr Geld an der Börse investieren ganz besonders schlimm sind. Somit wird unsere Gesellschafft leider immer weiter gespalten und in Deutschland ist der „Neid“ auf andere gefühlt immer am Größten.

Andere Länder haben dieses Problem schon lange erkannt und gehen viel transparenter mit den Themen Finanzen, Vorsorge, Aktien und Börse um. Hier werden wirklich Anreize geschaffen, damit die Menschen auch wirklich privat Vorsorge betreiben können. Wir werden sehen, wie die kommende Bundestagswahl ausgeht und in welche Richtung sich dies entwickeln wir.

Was ist Eure Meinung dazu und wie erlebt ihr eure Investitionen in Wertpapiere in Deutschland?

Viele Grüße,

Mario

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