Aktienhandel verstehen: So funktionieren Kauf und Verkauf

Wie kaufst du eine Aktie, wo wird dein Auftrag ausgeführt und welcher Preis gilt dabei? Beim Aktienhandel kommt es auf mehr an als den Klick auf „Kaufen“ oder „Verkaufen“.

Hier erfährst du, wie Depot, Broker und Handelsplatz zusammenspielen und was du über Orderarten, Kurse und Handelskosten wissen solltest. So kannst du deine ersten Wertpapieraufträge besser nachvollziehen und typische Fehler vermeiden.

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Wie funktioniert Aktienhandel?

Beim Aktienhandel werden Unternehmensanteile gekauft und verkauft. Als Privatanleger erteilst du dafür einen Auftrag über deine Bank oder deinen Broker. Dieser Auftrag heißt Order. Die Ausführung erfolgt nach den gewählten Bedingungen an einem verfügbaren Handelsplatz oder über einen angebotenen Direkthandelspartner.

Mit einer Aktie beteiligst du dich an einem Unternehmen. Ihr Wert kann steigen oder fallen; manche Unternehmen zahlen zusätzlich Dividenden. Der Kauf allein schafft jedoch noch keine durchdachte Geldanlage. Bevor du eine Order erteilst, solltest du sowohl das Unternehmen als auch den Ablauf des Geschäfts verstehen.

Depot, Broker und Handelsplatz: Wer übernimmt welche Aufgabe?

Für den üblichen Aktienhandel benötigst du ein Wertpapierdepot und ein zugehöriges Verrechnungskonto. Im Depot werden deine Aktien verbucht. Über das Verrechnungskonto laufen die Zahlungen für Käufe, Verkäufe, Gebühren und gegebenenfalls Dividenden. Wie beides zusammenhängt, erkläre ich im Beitrag zum Aktiendepot.

Deine Bank oder dein Broker stellt den Zugang bereit und nimmt deine Aufträge entgegen. Welche Wertpapiere, Handelsplätze und Orderarten du nutzen kannst, hängt vom jeweiligen Angebot ab.

Der Handelsplatz ist der Ort beziehungsweise das System, an dem der Handel stattfindet. Dieselbe Aktie kann an mehreren Plätzen gehandelt werden. Preise, verfügbare Stückzahlen und Kosten können sich dabei unterscheiden.

Wie entstehen Aktienkurse?

Aktienkurse ergeben sich aus den Preisen, zu denen Marktteilnehmer kaufen und verkaufen möchten und zu denen Geschäfte zustande kommen. Erwartungen an das Unternehmen, Geschäftszahlen, wirtschaftliche Entwicklungen und Nachrichten können diese Bereitschaft verändern.

Ein angezeigter Aktienkurs ist deshalb keine feste Preiszusage. Prüfe, ob du einen zuletzt gehandelten Preis, einen aktuellen Kauf- oder Verkaufskurs oder lediglich eine zeitverzögerte Kursinformation siehst. Zwischen der Anzeige und deiner tatsächlichen Ausführung kann sich der Preis bewegen.

Auch der Preis einer einzelnen Aktie sagt wenig darüber aus, ob das Unternehmen günstig bewertet ist. Eine Aktie für 5 € ist nicht allein wegen ihres niedrigen Stückpreises preiswerter als eine Aktie für 100 €.

Geldkurs, Briefkurs und Spread verstehen

Bei einem handelbaren Kursangebot begegnen dir häufig zwei Preise: der Geldkurs, zu dem du grundsätzlich verkaufen kannst, und der Briefkurs, zu dem du grundsätzlich kaufen kannst. Die Differenz heißt Spread.

Ein vereinfachtes Beispiel: Für eine Aktie werden gleichzeitig 49,90 € als Geldkurs und 50,10 € als Briefkurs angezeigt. Der Spread beträgt 0,20 € je Aktie. Kaufst du zum Briefkurs und verkaufst unmittelbar danach zum unveränderten Geldkurs, entsteht bereits durch diese Differenz ein Verlust – mögliche Gebühren kommen hinzu.

Die angebotenen Preise gelten außerdem nicht zwingend für jede beliebige Stückzahl. Bei größeren Aufträgen oder wenig gehandelten Aktien kann die Ausführung von der ersten Kursanzeige abweichen.

Aktien kaufen: Vom Wertpapier zur Order

Suche zunächst die gewünschte Aktie anhand ihrer ISIN oder WKN. Namen und Börsenkürzel können ähnlich sein; die Kennnummer hilft dir, das konkrete Wertpapier zu identifizieren. Prüfe auch, ob du tatsächlich eine Aktie auswählst und kein anderes Produkt mit Bezug auf dasselbe Unternehmen.

Anschließend legst du Stückzahl, Handelsplatz, Orderart und Gültigkeit fest. Vor der Freigabe kontrollierst du den voraussichtlichen Auftragswert und die ausgewiesenen Kosten. Das benötigte Guthaben umfasst gegebenenfalls mehr als den reinen Kaufpreis.

Nach der Übermittlung zeigt der Orderstatus, ob dein Auftrag offen, teilweise ausgeführt, vollständig ausgeführt oder abgelehnt wurde. Eine aufgegebene Order ist noch kein abgeschlossener Kauf. Kontrolliere deshalb die Ausführung und anschließend die Abrechnung.

Welche Orderarten solltest du kennen?

Mit der Orderart legst du fest, unter welchen Bedingungen dein Auftrag ausgeführt werden soll. Besonders wichtig sind die Unterschiede zwischen unlimitierten Aufträgen, Preislimits und Stop-Aufträgen.

Market-Order: Ausführung ohne feste Preisgrenze

Eine Market-Order enthält keine von dir festgelegte Preisobergrenze beim Kauf beziehungsweise Preisuntergrenze beim Verkauf. Sie soll zu den verfügbaren Marktbedingungen ausgeführt werden. Der tatsächlich erzielte Preis kann von der vorherigen Anzeige abweichen, insbesondere bei starken Bewegungen oder geringer Liquidität.

Limit-Order: Deinen Preis begrenzen

Bei einer Kauforder mit Limit bestimmst du den höchsten Preis je Aktie, den du bezahlen möchtest. Bei einer Verkaufsorder setzt du entsprechend einen Mindestpreis. Eine Ausführung kann zum Limit oder günstiger erfolgen, ist aber nicht garantiert. Gibt es innerhalb deiner Vorgaben kein ausreichendes Gegenangebot, bleibt der Auftrag ganz oder teilweise offen.

Stop-Order: Eine Kursschwelle als Auslöser

Ein Stop-Auftrag wird erst nach Erreichen der festgelegten Auslösebedingung aktiv. Bei einer Stop-Market-Order entsteht anschließend ein unlimitierter Auftrag. Ein Stop-Loss garantiert deshalb keinen Verkauf genau zum Stopkurs. Bei einer Stop-Limit-Order begrenzt ein zusätzliches Limit den Preis, dafür kann die Ausführung ausbleiben.

Mein Tipp: Prüfe vor der Freigabe, ob du eine Preisgrenze oder eine Auslöseschwelle eingibst. Beides erfüllt unterschiedliche Aufgaben.

Beispiel: Aktien mit einem Kauflimit erwerben

Angenommen, du möchtest zehn Aktien kaufen und höchstens 50 € je Aktie bezahlen. Du erteilst eine Kauforder über zehn Stück mit einem Limit von 50 €.

Wird der gesamte Auftrag zu 49,80 € je Aktie ausgeführt, beträgt der Kaufwert 498 €. Bei zusätzlich angenommenen Gebühren von 5 € werden insgesamt 503 € benötigt. Liegt der mögliche Ausführungspreis dagegen über deinem Limit, wird die Order zu diesem Preis nicht ausgeführt.

Das Limit bezieht sich auf den Stückpreis der Aktie. Zusätzliche Gebühren sind damit nicht automatisch auf einen bestimmten Gesamtbetrag begrenzt.

Welche Kosten entstehen beim Aktienhandel?

Je nach Anbieter können Ordergebühren, Handelsplatzentgelte und weitere Kosten anfallen. Bei Geschäften in fremder Währung sind gegebenenfalls Umrechnungskosten zu berücksichtigen. Zusätzlich beeinflusst der Spread den wirtschaftlichen Aufwand.

Vergleiche deshalb die Gesamtkosten für deine typische Ordergröße. Eine feste Gebühr fällt bei einem kleinen Kauf prozentual stärker ins Gewicht als bei einem großen. Wiederholte Käufe und Verkäufe können die Kostenbelastung zusätzlich erhöhen.

Achte auf die Kosteninformationen vor Auftragserteilung und das Preis- und Leistungsverzeichnis. Die Werbung mit einer niedrigen Ordergebühr allein beschreibt nicht sämtliche Bedingungen eines Geschäfts.

Handelsplatz und Zeitpunkt bewusst auswählen

Prüfe, welche Handelsplätze dein Broker anbietet und ob dort für deine Aktie aussagekräftige Kauf- und Verkaufskurse vorliegen. Die günstigste ausgewiesene Gebühr muss nicht automatisch zum günstigsten Gesamtergebnis führen, wenn sich die Ausführungspreise unterscheiden.

Handelszeiten und verfügbare Orderarten sind ebenfalls relevant. Eine Order kann außerhalb der Ausführungszeiten angenommen werden, ohne sofort gehandelt zu werden. Auch eine vorübergehende Handelsaussetzung oder fehlende Gegenangebote können eine Ausführung verhindern.

Verlasse dich deshalb nicht allein darauf, dass die App einen Auftrag entgegennimmt. Kontrolliere Handelsbedingungen und Orderstatus.

Aktien verkaufen und das Ergebnis nachvollziehen

Beim Verkauf legst du ebenfalls Stückzahl, Orderart und gegebenenfalls einen Mindestpreis fest. Dein tatsächliches Ergebnis ergibt sich aus Kauf- und Verkaufspreis sowie den angefallenen Kosten. Erhaltene Dividenden gehören bei einer umfassenden Betrachtung ebenfalls dazu; mögliche Steuern sind gesondert zu berücksichtigen.

Verkaufst du beispielsweise zehn Aktien zu jeweils 55 €, beträgt der Erlös vor Verkaufsgebühren und möglichen Steuern 550 €. Ob daraus insgesamt ein Gewinn entsteht, hängt davon ab, was dich der Erwerb gekostet hat und welche weiteren Zahlungen angefallen sind.

Ein angezeigter Buchgewinn im Depot und der tatsächlich verbleibende Betrag nach einem Verkauf müssen deshalb nicht identisch sein.

Typische Fehler bei den ersten Wertpapieraufträgen

Viele vermeidbare Fehler entstehen bei der Eingabe: das falsche Wertpapier ausgewählt, eine zusätzliche Null bei der Stückzahl, ein ungeeignetes Limit oder die Order versehentlich als Verkauf statt als Kauf erfasst. Nimm dir deshalb vor jeder Freigabe Zeit für die Zusammenfassung.

Auch offene Aufträge verdienen Aufmerksamkeit. Erteilst du einen weiteren Kauf, obwohl die erste Order noch aktiv ist, könnten später beide ausgeführt werden. Ebenso solltest du nach einer Änderung oder Stornierung kontrollieren, welchen Status der Broker tatsächlich bestätigt.

Vor technischen Fehlern zu schützen ist nur ein Teil der Vorbereitung. Die Frage, ob eine Aktie zu deinen Zielen und finanziellen Möglichkeiten passt, bleibt davon getrennt. Dazu findest du weitere Hinweise in meinen Einsteiger-Tipps und bei den Vorteilen und Nachteilen von Aktien.

Aktienhandel verstehen und Entscheidungen bewusst umsetzen

Eine einfach bedienbare App macht den Zugang zur Börse bequem. Trotzdem lohnt es sich, den Weg vom Auftrag bis zur Abrechnung zu verstehen. Wertpapierkennnummer, Stückzahl, Preisgrenze, Handelsplatz und Kosten sollten für dich nachvollziehbar sein, bevor du eine Order bestätigst.

Du musst dafür nicht ständig handeln. Entscheidend ist, dass du deine Anlageentscheidung überlegt umsetzt und die Ausführung kontrollierst. Unbekannte Begriffe kannst du im Finanzlexikon nachschlagen; weitere Zusammenhänge erklären die Grundlagenartikel.

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