Im heutigen Beitrag soll es einmal um die Cash-Aufteilung und das Thema Cashreserve gehen. Bevor ich aber näher darauf eingehe, was ich genau darunter verstehe und ob man eine solche Cashreserve braucht, möchte ich eine klare Trennung zwischen den verschiedenen „Geldtöpfen“ machen und den Sinn dahinter erklären.
Wie man in der Grafik gut erkennen kann, fließt ein Teil meines Einkommens immer fest in mein Depot und dient dem langfristigen Vermögensaufbau. Hier spielen vor allem Aktien– und ETF-Sparpläne eine große Rolle. Daneben gibt es aber noch zwei weitere Töpfe, die meiner Meinung nach ebenfalls Beachtung verdienen.
Das Backup: Der Notgroschen 
Der erste Topf, auf den ich nur ganz kurz eingehen möchte, ist der „Notgroschen“, den ich auch gerne als „Backup“ bezeichne, weil es der Teil des persönlichen Vermögens ist, der im Falle einer Notsituation oder eines unvorhergesehenen Ausfalls, z.B. des Autos oder der Heizung, dazu verwendet werden kann, den ursprünglichen Zustand wiederherzustellen. Ähnlich wie ein Backup auf dem Computer oder Smartphone dazu dient, im Falle eines Fehlers oder Datenverlustes den ursprünglichen Zustand wiederherzustellen. Wie hoch das Backup sein sollte, hängt sehr von den persönlichen Vorlieben ab. Ich selbst fühle mich mit 4 netto Monatsgehältern als Backup wohl, das kann aber je nach persönlichem Sicherheitsempfinden, beruflichem Umfeld oder anderen äußeren Umständen angepasst werden. Jemand der selbstständig ist und vielleicht schwankende Einnahmen hat, benötigt häufig eine höheres Backup als jemand in einem Angestellten-Verhältnis. Es gibt durchaus Menschen, die mit ihrem Backup mindestens ein halbes Jahr oder sogar ein Jahr überbrücken wollen, ohne gravierende Einschnitte in der Lebensgestaltung machen zu müssen. Aber genug vom Backup – darum soll es hier gar nicht gehen, sondern um die Cashreserve, die explizit für Investitionen und die Nutzung von Chancen zurückbehalten wird.
Die Cashreserve 
An dieser Stelle kann man sich natürlich fragen, warum ich diesen Beitrag gerade jetzt schreibe, wo man von allen Seiten den Ruf „BUY THE DIP!“ hört und ein großer Teil der Privatanleger vermutlich seine Barreserven bereits vollständig aufgebraucht hat. Die Antwort lautet: Genau deshalb kommt der Beitrag jetzt. Man muss diesen Beitrag langfristig verstehen und eine Cashreserve baut man meiner Meinung nach am besten über einen längeren Zeitraum auf, so wie man eine große Aktienposition auch wunderbar über einen Sparplan aufbauen kann. Irgendwann kommt der nächste Bullenmarkt und spätestens dann sollte man sich mit dem Thema Cashreserve auseinandergesetzt haben. Ich könnte mir vorstellen, dass sich viele noch nie wirklich mit dem Thema auseinandergesetzt haben und die Bedeutung für den langfristigen Vermögensaufbau möglicherweise deutlich unterschätzen. Hinzu kommt, dass der Punkt Disziplin beim Aufbau einer Liquiditätsreserve eine unglaublich große Rolle spielt.
Wir brauchen wahrscheinlich nicht darüber zu diskutieren, dass man überflüssiges Geld möglichst investiert und für sich arbeiten lässt, anstatt unnötig große Summen auf dem Sparbuch zu horten. Ich selbst lege einen großen Teil meines Gehalts über Sparpläne und gezielte Einzelkäufe im monatlichen Rhythmus an. Dennoch versuche ich, gerade in Bullenmärkten, wie wir sie in den letzten 10 Jahren häufig erlebt haben, einen kleinen Teil meines Geldes als Liquiditätsreserve zu halten. Ich muss zugeben, dass dies in vielen Phasen unglaublich schwierig ist und ich vor allem in der Vergangenheit dazu tendierte, immer nahe bei 100% investiert zu sein (mit Ausnahme meines Backups). Beim Corona-Crash habe ich in kurzer Zeit meine gesamte Barreserve investiert und hätte aus heutiger Sicht besser einen Teil für weitere Zukäufe zurückbehalten. Im Nachhinein ist man immer schlauer.
Warum du eine Cashreserve aufbauen solltest? 
Der Sinn einer guten Cashreserve, also eines zweiten Geldspeichers, liegt zum einen darin, in Krisenzeiten und bei Kurseinbrüchen liquide zu sein und Sondersituationen, die am Aktienmarkt immer wieder auftreten, für sich nutzen zu können. Die Cashreserve kann aber auch dazu dienen, in persönlichen Krisen den Notgroschen zu ergänzen und zu verhindern, dass man zum ungünstigsten Zeitpunkt Aktien oder andere Vermögenswerte verkaufen muss. Nicht zu vergessen ist auch der mögliche Nutzen der Cashreserve außerhalb des Aktienmarktes. Ich denke hier an Situationen bei denen vielleicht eine gute Immobilie, ein Grundstück oder eine andere Investition kurzfristig und unverhofft zum Kauf bereit steht, die man sich nur mit entsprechendem Bargeld sichern kann. Die Beispiele lassen sich beliebig erweitern und ich möchte mit diesem Beitrag nur für das Thema und den Sinn dahinter sensibilisieren. Ich selbst versuche also immer einen kleinen Teil meines Geldes beiseite zu legen, um für unvorhergesehene Gelegenheiten gerüstet zu sein.
Wie geht ihr mit dem Thema Bargeldreserve um? Habt ihr euch darüber schon mal Gedanken gemacht oder fällt es euch schon schwer, einen vernünftigen Notgroschen anzulegen? Die FOMO am Aktienmarkt (Fear of Missing Out) ist zumindest für mich der größte Gegner beim Aufbau einer Cashreserve.
Aktiengram auf Social Media
Disclaimer: Das Investieren in Wertpapiere ist mit Risiken verbunden. Ihr handelt immer auf eure eigene Verantwortung! Bitte betreibt dabei immer eure eigene Recherche. Das gilt sowohl für Gebühren, Kennzahlen als auch für die Qualität von Aktien, Anleihen, ETFs und sonstigen Wertpapieren. Die genannten Informationen oder Kennzahlen wurden nach bestem Wissen und Gewissen notiert. Dabei besteht keine Garantie auf Richtigkeit oder Aktualität der Daten. Die genannten Informationen stellen keine Anlageberatung, keine Anlageempfehlung und auch keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder sonstigen Finanzprodukten dar. Es handelt sich zu keinem Zeitpunkt um eine Anlageberatung, Empfehlung, Steuerberatung oder sonstige fachliche Beratung.
Der Beitrag Cash-Aufteilung: 3 Geld-Töpfe erschien zuerst auf Aktiengram.


