Im Rahmen des diesjährigen comdirect finanzblog awards findet wieder eine Blogparade statt. Die im Titel gestellte Frage bietet viel Raum für Ideen und ich möchte in diesem Beitrag einige meiner Gedanken dazu teilen. Es hat mich eine Weile beschäftigt, welche Ansätze hier sinnvoll sein könnten.

Sollen Finanzcoachings oder -kurse gefördert werden? Aber wie stellt man sicher, dass die „Coaches“ seriös sind und keine überhöhten Preise verlangen? Sollte es ein Schulfach „Finanzen“ geben? Das wäre sicher eine tolle Sache! Aber wer bildet die Lehrer dafür aus und sind diese überhaupt bereit dazu? Stattdessen sind mir ein paar andere Ideen in den Sinn gekommen, die vielleicht etwas pragmatischer, aber gerade deshalb womöglich auch schneller umsetzbar sind. Was übrigens nicht heißt, dass ich es nicht absolut begrüßen würde, wenn Finanzen und ein Verständnis für den Umgang mit Geld bereits in den Schulen einen Platz finden würden.

Wir Deutschen lieben es, Steuern zu sparen. Warum also nicht die persönliche Steuersituation als Hebel für eine indirekte finanzielle Bildung oder gar als erste Motivation nutzen? In vielen Medien liest man immer wieder vom „Hochsteuerland Deutschland“. Könnte man dieses Image nicht bewusst nutzen, um attraktive Lösungsansätze zu entwickeln?

Steuerbonus für persönliches Sparen und Investieren

Sparen hat in Deutschland Tradition, aber die Art und Weise, wie gespart wird, ist nicht immer effizient. Wie wäre es, die Bevölkerung durch steuerliche Anreize zu motivieren, langfristig klug zu sparen? Der Staat könnte hierbei etwa Sparpläne mit ETFs fördern, die auf langfristige finanzielle Stabilität abzielen.

Ein Beispiel für eine mögliche Umsetzung: Wer über einen Zeitraum von mindestens fünf Jahren konsequent einen ETF-Sparplan oder eine private Altersvorsorge betreibt, erhält dafür einen jährlichen Steuerbonus. Der Bonus ist gestaffelt: Je länger man dabei bleibt, desto höher fällt der Steuervorteil aus. Bei fünf Jahren sind es zum Beispiel 5 Prozent, bei zehn Jahren bis zu 10 Prozent. Bei 30 Jahren und 30 Prozent könnte er gedeckelt werden. Der Staat kann zudem bestimmte Sparpläne besonders fördern, etwa solche, die in einen breit gestreuten Korb von Aktien aus der ganzen Welt investieren.

Damit würde das Sparen nicht nur attraktiver, sondern auch langfristig belohnt. Und wer weiß – wenn das Sparen zur Routine geworden ist, sind die Menschen vielleicht auch eher bereit, sich intensiver mit dem Thema Geldanlage zu beschäftigen. Je länger man diesen Plan verfolgt, desto höher könnte die steuerliche Förderung ausfallen. Dadurch würde ein direkter Anreiz geschaffen, langfristig zu sparen und sich verstärkt mit verschiedenen Anlageformen auseinanderzusetzen.

Steuerfreibetrag zum Mitnehmen: Gleicher Start für alle

Aus meiner eigenen Geschichte weiß ich heute, wie glücklich ich mich schätzen kann, dass ich damals durch meine Berufsausbildung und das Mitarbeiteraktienprogramm meines Arbeitgebers bereits mit 19 Jahren die ersten Schritte zum Thema Geldanlage, Aktien und Finanzen gemacht habe. In meinem privaten Umfeld war das nie ein Thema und vielmehr negativ besetzt. Wie könnte man eine solche „Ausgangssituation“, die für viele sicher auch heute noch der Normalfall ist, verbessern?

Eine Überlegung, die ich dazu hatte, ist, den jährlichen Steuerfreibetrag von derzeit 1.000 Euro pro Jahr flexibler zu gestalten. Statt den Betrag nur einmal im Jahr nutzen zu können, könnte man ihn „mitnehmen“ oder ansparen, sodass er sich über die Jahre ansammelt. Ein junger Mensch, der mit 18 Jahren ins Berufsleben einsteigt, hätte dann bereits einen Freibetrag von 18.000 Euro, den er in den ersten Berufsjahren ausschöpfen könnte.

Gerade für junge Menschen, die aus einem Elternhaus kommen, in dem finanzielle Bildung und Förderung kein Selbstläufer sind, wäre das ein klarer Pluspunkt. Denn oft verpufft der Freibetrag in jungen Jahren ungenutzt, sei es aufgrund geringen Einkommens oder fehlender Anlagemöglichkeiten – man „verliert“ also keine Zeit mehr, da der Freibetrag nicht jedes Jahr ungenutzt verfällt, ohne dass man überhaupt von seiner Existenz weiß. Auch hat man keinen Nachteil gegenüber seinen Altersgenossen, deren Eltern schon bei der Geburt ein Juniordepot für sie eingerichtet und kräftig für sie investiert haben.

Mit einem angesparten Freibetrag hätten junge Erwachsene einen echten finanziellen Spielraum, um etwa in die eigene Vorsorge zu investieren oder erste Schritte an der Börse zu machen. Damit würde der Einstieg in das wirtschaftliche und finanzielle Erwachsenenleben spürbar erleichtert und die ungleiche Ausgangslage für diejenigen abgemildert, die ohne ein finanziell gebildetes Umfeld aufwachsen. Dieser Ansatz wäre nicht nur gerechter, sondern auch ein wirksames Mittel, um frühzeitig finanzielles Bewusstsein und Eigenverantwortung zu fördern – und zwar ohne den Druck, den jährlichen Freibetrag sofort nutzen zu müssen. Und das Wichtigste: Es wäre extrem einfach in der Umsetzung!

Fazit

Finanzbildung ist der Schlüssel zu nachhaltigem persönlichen Wohlstand – das ist für dich und mich wahrscheinlich keine neue Erkenntnis. Dennoch scheuen viele Menschen davor zurück, sich umfassend mit finanziellen Themen auseinanderzusetzen. Dabei wäre es von großer Bedeutung, schon früh zu lernen, wie man mit Geld umgeht, wie man spart und vor allem auch investiert. Der Weg zu mehr Finanzkompetenz muss aber nicht trocken und mühsam sein. Es braucht frische Anreize und pfiffige Ideen – und Steuern sparen ist in meinen Augen ein Anreiz, der in Deutschland besonders gut funktioniert.

Welche Änderungen bräuchte es für eine bessere Finanzbildung in Deutschland? Dieser Artikel ist Teil der Blogparade für den comdirect finanzblog award 2024. 🏆 #fba24

Nun bin ich gespannt auf eure Gedanken zu diesem Thema. Welche Ansätze fallen dir dazu ein? Was müsste sich für eine bessere Finanzbildung in Deutschland ändern?

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