Frühstartrente beschlossen: So funktioniert die staatliche Vorsorge für Kinder
AktienDummy.de | 📅 23.10.2026 | 🔗 Allgemein
Der Bundestag hat die Frühstartrente beschlossen. Ab 2027 soll der Staat monatlich zehn Euro für die Altersvorsorge bestimmter Kinder einzahlen. Doch wer erhält die Förderung, wie wird das Geld angelegt und was müssen Eltern jetzt tun?
Inhalt
Frühstartrente beschlossen: So funktioniert die staatliche Vorsorge für Kinder
Stand: 21. Oktober 2026
Die Frühstartrente hat eine entscheidende politische Hürde genommen: Der Deutsche Bundestag hat das neue Vorsorgemodell am 16. Oktober 2026 beschlossen. Damit soll erstmals eine staatlich finanzierte und kapitalgedeckte Altersvorsorge für Kinder eingeführt werden.
Vorgesehen sind monatlich zehn Euro vom Staat. Das Geld wird nicht auf ein Girokonto ausgezahlt, sondern langfristig am Kapitalmarkt angelegt. Die Förderung beginnt zunächst mit Kindern des Geburtsjahrgangs 2020 und soll anschließend jedes Jahr auf den nächsten Jahrgang ausgeweitet werden.
Zehn Euro im Monat klingen zunächst überschaubar. Der eigentliche Hebel der Frühstartrente ist jedoch nicht die Höhe der Einzahlung, sondern der extrem lange Anlagezeitraum. Zwischen der ersten staatlichen Zahlung und einer späteren Auszahlung können mehrere Jahrzehnte liegen.
Doch welche Kinder bekommen die Frühstartrente? Müssen Eltern selbst ein Depot eröffnen? Was passiert, wenn sie nichts unternehmen? Und steht das Geld dem Kind mit 18 Jahren zur Verfügung?
Was ist die Frühstartrente?
Die Frühstartrente ist eine staatlich geförderte Altersvorsorge für Kinder. Der Bund zahlt monatlich zehn Euro in eine kapitalgedeckte Anlage ein. Das Geld soll langfristig in Wertpapiere investiert werden und bis zum Rentenalter wachsen.
Anders als beim Kindergeld erhalten Eltern den Betrag nicht zur freien Verfügung. Die Förderung fließt unmittelbar in einen dafür zugelassenen Altersvorsorgevertrag oder – wenn kein individueller Vertrag abgeschlossen wird – in eine staatlich organisierte kollektive Anlage.
Die wichtigsten Eckpunkte:
- monatlich zehn Euro staatliche Förderung,
- Förderung grundsätzlich vom sechsten bis zum 18. Lebensjahr,
- Start zunächst mit dem Geburtsjahrgang 2020,
- schrittweise Aufnahme weiterer Geburtsjahrgänge,
- langfristige Anlage am Kapitalmarkt,
- freiwillige private Zuzahlungen möglich,
- Erträge während der Ansparphase zunächst steuerfrei,
- keine freie Auszahlung mit dem 18. Geburtstag,
- Auszahlung grundsätzlich erst ab dem vollendeten 65. Lebensjahr.
Die Frühstartrente ist deshalb kein gewöhnliches Kinderdepot. Sie ist ausdrücklich für die spätere Altersvorsorge bestimmt.
Wann startet die Frühstartrente?
Die Frühstartrente soll im Januar 2027 starten. Als erster geförderter Jahrgang ist der Geburtsjahrgang 2020 vorgesehen. Das sind die Kinder, die im Jahr 2026 sechs Jahre alt geworden sind.
Ab 2027 soll anschließend jedes Jahr der jeweils sechsjährige Geburtsjahrgang neu in die Förderung aufgenommen werden.
Das bedeutet allerdings auch: Ältere Kinder sollen nicht rückwirkend für ihre gesamte Kindheit staatliche Beiträge erhalten. Für sie kann zwar grundsätzlich ebenfalls ein geeigneter Altersvorsorgevertrag abgeschlossen werden, die monatliche Förderung ist nach dem beschlossenen Modell aber zunächst nicht vorgesehen.
Gerade dieser begrenzte Einstieg wurde im Gesetzgebungsverfahren kritisiert. Familien mit älteren Kindern sollten deshalb nicht davon ausgehen, automatisch ebenfalls zehn Euro monatlich zu erhalten.
Welche Kinder bekommen die zehn Euro vom Staat?
Die Einführung erfolgt jahrgangsweise. Zunächst wird der Geburtsjahrgang 2020 berücksichtigt. In den folgenden Jahren kommt jeweils ein weiterer Jahrgang hinzu.
Vereinfacht sieht die geplante Staffelung so aus:
| Kalenderjahr | Neu aufgenommener Geburtsjahrgang |
|---|---|
| 2027 | 2021 |
| 2028 | 2022 |
| 2029 | 2023 |
| 2030 | 2024 |
Der Jahrgang 2020 bildet die Startgruppe, weil diese Kinder bereits 2026 das sechste Lebensjahr erreicht haben.
Die Förderung soll nicht vom Einkommen der Eltern abhängen. Auch die finanziellen Möglichkeiten oder das vorhandene Börsenwissen der Familie sollen keine Voraussetzung sein. Damit das funktioniert, wurde zusätzlich eine Auffanglösung für Kinder vorgesehen, deren Eltern keinen eigenen Vertrag auswählen.
Müssen Eltern ein Depot eröffnen?
Eltern sollen ein individuelles Frühstartrenten-Depot bei einem zugelassenen Anbieter eröffnen können. Dafür kommen die neuen standardisierten Verträge der reformierten privaten Altersvorsorge infrage.
Ein solcher Vertrag soll elektronisch abgeschlossen werden können. Eine vorherige Anlageberatung ist nicht zwingend erforderlich. Der staatliche Beitrag wird anschließend über den Anbieter gutgeschrieben, ohne dass Eltern jeden Monat einen neuen Antrag stellen müssen.
Welche Banken, Broker, Fondsgesellschaften oder Versicherer tatsächlich passende Verträge anbieten werden, muss sich jedoch noch zeigen. Vor dem Marktstart sollten Eltern besonders auf folgende Punkte achten:
- tatsächliche Gesamtkosten,
- verwendete Fonds oder ETFs,
- Streuung der Kapitalanlage,
- Möglichkeiten für private Einzahlungen,
- Bedingungen für einen Anbieterwechsel,
- Informations- und Berichtspflichten,
- Regeln beim Übergang in die Erwachsenenphase.
Ein staatlich gefördertes Produkt ist nicht automatisch ein besonders günstiges Produkt. Selbst kleine Kostenunterschiede können sich über mehrere Jahrzehnte erheblich auf das Endvermögen auswirken.
Grundsätzlich gilt deshalb auch bei der Frühstartrente: Erst verstehen, dann unterschreiben. Einen Einstieg in die Funktionsweise langfristiger Sparpläne findest du in meinem Beitrag zum ETF-Sparplan für Einsteiger.
Was passiert, wenn Eltern keinen Vertrag auswählen?
Die staatliche Förderung soll nicht davon abhängen, ob sich die Eltern aktiv um ein Depot kümmern. Wird kein individueller Frühstartrenten-Vertrag eröffnet, soll das Geld kollektiv am Kapitalmarkt angelegt werden.
Dafür ist ein separates Sondervermögen des Bundes vorgesehen, das von der Deutschen Bundesbank verwaltet wird. Nach den Änderungen im Finanzausschuss soll diese kollektive Anlage ausschließlich breit gestreut in globale Aktien oder Aktienfonds investieren.
Das ist ein wichtiger Bestandteil des Modells. Ohne eine solche Auffanglösung würden vermutlich vor allem Kinder aus Familien profitieren, die bereits Erfahrung mit Depots, ETFs und privater Altersvorsorge besitzen.
Allerdings bleibt die kollektive Anlage nicht unbegrenzt automatisch bestehen. Der individuelle Anspruch soll später in einen eigenen Altersvorsorgevertrag übertragen werden können. Dafür ist nach aktuellem Stand eine Frist bis zum 35. Lebensjahr vorgesehen.
Junge Erwachsene sollten deshalb später nicht einfach davon ausgehen, dass alles dauerhaft automatisch geregelt ist. Sie müssen sich rechtzeitig mit der Übertragung des angesparten Kapitals beschäftigen.
Wie wird das Geld angelegt?
Bei einem individuellen Vertrag hängt die konkrete Anlage vom ausgewählten und zugelassenen Produkt ab. Die Frühstartrente soll dabei an die neuen Standarddepot-Verträge der privaten Altersvorsorge anknüpfen.
Bei der kollektiven Lösung ist eine breit diversifizierte globale Aktienanlage vorgesehen. Dadurch soll das Geld nicht von einzelnen Unternehmen, Ländern oder politischen Einzelprojekten abhängig sein.
Eine breite Streuung beseitigt allerdings nicht sämtliche Risiken. Auch ein weltweit investierender Aktienfonds kann zeitweise deutlich an Wert verlieren. Gerade bei einem Anlagezeitraum von mehreren Jahrzehnten gehören zwischenzeitliche Kursschwankungen zum Konzept.
Der Vorteil liegt im langen Zeithorizont: Ein sechsjähriges Kind hat bis zum geplanten Auszahlungsalter fast sechs Jahrzehnte vor sich. Dadurch bleibt deutlich mehr Zeit, zwischenzeitliche Börsenrückgänge auszusitzen als bei einer Geldanlage mit nur wenigen Jahren Laufzeit.
Warum eine hohe Zahl enthaltener Wertpapiere trotzdem nicht automatisch jedes Risiko beseitigt, erkläre ich ausführlicher im Grundlagenbereich zur Diversifikation und Geldanlage.
Wie viel zahlt der Staat insgesamt ein?
Bei zwölf vollständigen Förderjahren ergeben sich staatliche Einzahlungen von insgesamt 1.440 Euro:
10 Euro × 12 Monate × 12 Jahre = 1.440 Euro
Das ist kein Betrag, der für sich genommen eine vollständige Altersvorsorge finanziert. Die Frühstartrente setzt vielmehr darauf, dass das Geld nach dem Ende der staatlichen Einzahlungen noch mehrere Jahrzehnte investiert bleibt.
Entscheidend ist deshalb der Zinseszinseffekt. Er sorgt dafür, dass nicht nur die ursprünglichen Einzahlungen Erträge erwirtschaften. Auch bereits entstandene Erträge können in den folgenden Jahren weitere Erträge erzeugen.
Je länger das Kapital investiert bleibt, desto stärker kann dieser Effekt werden.
Wie viel könnte aus zehn Euro monatlich werden?
Wie sich die Frühstartrente entwickelt, hängt unter anderem von Rendite, Kosten, Steuern und dem tatsächlichen Anlageprodukt ab. Eine seriöse Prognose über fast 60 Jahre ist nicht möglich.
Eine vereinfachte Modellrechnung kann dennoch die Größenordnung verdeutlichen. Angenommen, der Staat zahlt zwölf Jahre lang monatlich zehn Euro ein. Anschließend bleibt das Kapital bis zum 65. Geburtstag investiert, ohne dass weitere Beiträge hinzukommen.
| Durchschnittliche Rendite | Wert mit 18 Jahren | Möglicher Wert mit 65 Jahren |
|---|---|---|
| 4 % pro Jahr | rund 1.840 Euro | rund 11.600 Euro |
| 6 % pro Jahr | rund 2.100 Euro | rund 32.500 Euro |
| 7 % pro Jahr | rund 2.200 Euro | rund 53.000 Euro |
Diese Zahlen sind keine garantierten Auszahlungen. Sie beruhen auf einer konstanten Modellrendite, die es an der Börse in dieser gleichmäßigen Form nicht gibt.
Nicht vollständig berücksichtigt sind insbesondere:
- schwankende Jahresrenditen,
- mögliche Kursverluste,
- konkrete Produktkosten,
- spätere Steuern,
- Änderungen der gesetzlichen Regeln,
- die Inflation über mehrere Jahrzehnte.
Ein Betrag von 53.000 Euro in mehreren Jahrzehnten besitzt außerdem nicht dieselbe Kaufkraft wie 53.000 Euro heute. Nominal kann das Depot deutlich wachsen, während die Inflation gleichzeitig einen Teil der realen Kaufkraft aufzehrt.
Wer eigene Szenarien durchspielen möchte, kann dafür den ETF-Sparplan-Rechner verwenden. Dabei sollten mehrere Renditeannahmen miteinander verglichen werden, statt nur mit einem optimistischen Wert zu rechnen.
Können Eltern zusätzlich eigenes Geld einzahlen?
Neben der staatlichen Förderung sollen freiwillige private Einzahlungen möglich sein. Der vorgesehene Höchstbetrag liegt bei 6.840 Euro pro Jahr.
Damit können Eltern, Großeltern oder andere Angehörige das Altersvorsorgevermögen des Kindes deutlich stärker aufbauen. Trotzdem sollte eine freiwillige Aufstockung nicht allein wegen der staatlichen Förderung erfolgen.
Die zehn Euro vom Staat anzunehmen und zusätzlich mehrere Hundert oder Tausend Euro eigenes Geld einzuzahlen, sind zwei unterschiedliche Entscheidungen.
Vor einer größeren privaten Einzahlung sind vor allem drei Fragen wichtig:
- Soll dieses Geld wirklich ausschließlich für die Altersvorsorge vorgesehen sein?
- Gibt es daneben genügend frei verfügbares Vermögen für Ausbildung, Studium, Führerschein oder die erste Wohnung?
- Sind Kosten und Anlagemöglichkeiten des Frühstartrenten-Vertrags im Vergleich zu einem normalen Kinderdepot konkurrenzfähig?
Das Kapital ist sehr langfristig gebunden. Zusätzliche Einzahlungen in die Frühstartrente sollten deshalb nicht mit flexiblem Sparen für das Kind verwechselt werden.
Bekommt das Kind das Geld mit 18 ausgezahlt?
Nein. Das angesparte Vermögen soll mit dem 18. Geburtstag nicht frei verfügbar werden.
Die Frühstartrente ist für die Altersvorsorge vorgesehen. Das geförderte Kapital soll grundsätzlich erst ab dem vollendeten 65. Lebensjahr ausgezahlt werden können.
Das Kind kann das Guthaben daher nicht mit 18 Jahren für ein Studium, eine Ausbildung, ein Auto, eine Reise oder die erste eigene Wohnung verwenden. Genau das unterscheidet die Frühstartrente von einem normalen Junior-Depot oder einem frei verfügbaren Sparplan.
Diese lange Bindung kann gleichzeitig Vorteil und Nachteil sein:
- Sie verhindert, dass das Altersvorsorgevermögen frühzeitig ausgegeben wird.
- Sie ermöglicht einen sehr langen Anlagezeitraum.
- Sie schränkt die finanzielle Flexibilität des Kindes erheblich ein.
- Sie macht freiwillige private Zuzahlungen besonders prüfenswert.
Eltern müssen deshalb nicht zwischen Frühstartrente und frei verfügbarem Sparen wählen. Je nach finanziellen Möglichkeiten können beide Ziele getrennt verfolgt werden: die staatlich geförderte Altersvorsorge auf der einen Seite und flexibles Vermögen für frühere Lebensziele auf der anderen.
Wie wird die Frühstartrente besteuert?
Während der Ansparphase sollen die Erträge zunächst steuerfrei bleiben. Dividenden, Fondsausschüttungen und realisierte Wertsteigerungen können dadurch innerhalb des Vertrags weiter angelegt werden, ohne dass sofort Abgeltungsteuer einbehalten wird.
Steuerfrei während der Ansparphase bedeutet aber nicht automatisch steuerfrei bei der späteren Auszahlung.
Das Modell ist auf eine nachgelagerte Besteuerung ausgerichtet. Die konkrete Steuerbelastung hängt deshalb von den gesetzlichen Regeln und dem persönlichen Einkommen im späteren Auszahlungszeitraum ab.
Da zwischen der ersten Einzahlung und der Auszahlung viele Jahrzehnte liegen können, sind Aussagen zur tatsächlichen Steuerbelastung mit großer Unsicherheit verbunden. Bis dahin können sich Freibeträge, Steuersätze und Besteuerungsverfahren mehrfach verändern.
Grundlegende Informationen zur Besteuerung gewöhnlicher Kapitalerträge findest du in meinem Bereich zu Aktien, Geldanlage und Steuern.
Welche Vorteile hat die Frühstartrente?
Das Modell besitzt mehrere nachvollziehbare Stärken.
Der Staat finanziert den Einstieg
Eltern müssen die ersten Beiträge nicht aus dem eigenen Einkommen bezahlen. Auch wenn zehn Euro monatlich keine vollständige Altersvorsorge ergeben, entsteht dadurch ein staatlich finanziertes Startkapital.
Der Anlagezeitraum ist außergewöhnlich lang
Zeit ist beim langfristigen Vermögensaufbau einer der wichtigsten Faktoren. Wer bereits im Kindesalter beginnt, gibt dem Kapital mehrere Jahrzehnte zum Wachsen.
Kinder ohne eigenes Depot werden berücksichtigt
Die kollektive Auffanglösung verhindert, dass die Förderung vollständig davon abhängt, ob Eltern sich aktiv um einen Vertragsabschluss kümmern.
Die Anlage soll breit gestreut erfolgen
Zumindest für die kollektive Anlage ist eine globale Streuung über Aktien oder Aktienfonds vorgesehen. Dadurch wird das Kapital nicht nur in einzelne Unternehmen investiert.
Die Frühstartrente kann Finanzwissen fördern
Kinder und Eltern sollen regelmäßig Informationen über Kosten, Wertentwicklung und Kapitalmarktmechanismen erhalten. Richtig umgesetzt könnte das Interesse an langfristigem Sparen und Investieren fördern.
Wo liegen die Nachteile und offenen Fragen?
Trotz der staatlichen Förderung ist die Frühstartrente kein perfektes Produkt.
Zehn Euro monatlich bleiben eine kleine Förderung
In zwölf Jahren zahlt der Staat insgesamt 1.440 Euro ein. Ein größerer Endbetrag entsteht nur durch einen langen Anlagezeitraum und ausreichende Renditen.
Nicht alle Kinder werden sofort gefördert
Der jahrgangsweise Start führt dazu, dass viele ältere Kinder zunächst keine staatlichen Beiträge erhalten. Das wirkt besonders für Familien mit mehreren Kindern unterschiedlichen Alters schwer nachvollziehbar.
Das Geld ist jahrzehntelang gebunden
Für frühere Lebensziele steht das Guthaben nicht zur Verfügung. Bei zusätzlichen privaten Einzahlungen ist diese Einschränkung besonders wichtig.
Die tatsächlichen Produkte sind noch abzuwarten
Erst wenn Banken, Broker und andere Anbieter ihre Verträge veröffentlichen, lassen sich Kosten, Fondsauswahl und Bedienbarkeit sinnvoll vergleichen.
Die kollektive Anlage erfordert später Aufmerksamkeit
Das kollektiv angelegte Vermögen soll nicht dauerhaft ohne Zutun weiterlaufen. Junge Erwachsene müssen rechtzeitig prüfen, wie der Anspruch in einen eigenen Altersvorsorgevertrag übertragen wird.
Langfristige Modellrechnungen sind unsicher
Renditen von sechs oder sieben Prozent können über sehr lange Zeiträume möglich sein, sind aber nicht garantiert. Kosten, Steuern, Inflation und schwache Marktphasen können das Ergebnis erheblich verändern.
Was müssen Eltern jetzt tun?
Aktuell besteht kein Grund, überstürzt einen Vertrag abzuschließen. Die Frühstartrente soll zwar im Januar 2027 starten, die konkreten Angebote und praktischen Abläufe müssen aber zunächst verfügbar sein.
Eltern können sich auf die Einführung vorbereiten, indem sie folgende Punkte beobachten:
- Gehört das Kind zu einem geförderten Jahrgang?
- Ab wann kann ein individueller Vertrag eröffnet werden?
- Welche Anbieter nehmen teil?
- Welche Fonds oder ETFs werden verwendet?
- Wie hoch sind sämtliche Kosten?
- Wie funktioniert ein Anbieterwechsel?
- Können private Einzahlungen flexibel angepasst werden?
- Welche Unterlagen werden für die Eröffnung benötigt?
- Was passiert beim Übergang in die private Altersvorsorge nach dem 18. Geburtstag?
Wichtig ist außerdem, sich nicht von Werbung unter Zeitdruck setzen zu lassen. Die staatliche Förderung ist kein Grund, das erstbeste Produkt auszuwählen. Entscheidend ist, welcher Vertrag langfristig geringe Kosten, eine verständliche Struktur und eine breite Streuung bietet.
Frühstartrente oder normales Kinderdepot?
Beide Varianten verfolgen unterschiedliche Ziele.
| Frühstartrente | Normales Kinderdepot |
|---|---|
| staatliche Förderung möglich | keine automatische staatliche Einzahlung |
| für die Altersvorsorge bestimmt | grundsätzlich flexibler nutzbar |
| Auszahlung regelmäßig erst im Alter | Verfügung abhängig von Depotform und Volljährigkeit |
| zugelassene Vorsorgeprodukte | größere Auswahl an ETFs und Wertpapieren |
| Erträge während der Ansparphase steuerlich begünstigt | gewöhnliche Besteuerung von Kapitalerträgen |
| sehr langfristige Bindung | auch für Ausbildung oder Studium nutzbar |
Die Frühstartrente ersetzt daher nicht automatisch ein normales Kinderdepot. Wer zusätzlich für frühere Lebensziele sparen möchte, benötigt gegebenenfalls eine getrennte Lösung.
Fazit: Ein sinnvoller Start – aber keine vollständige Altersvorsorge
Die beschlossene Frühstartrente bringt Kinder frühzeitig mit kapitalgedeckter Altersvorsorge in Kontakt. Positiv sind vor allem der lange Anlagezeitraum, die staatliche Finanzierung der ersten Beiträge und die kollektive Auffanglösung für Familien ohne eigenes Depot.
Die monatlichen zehn Euro sollten jedoch realistisch eingeordnet werden. Sie bilden einen Einstieg, aber keine vollständige Altersvorsorge. Ein größerer Betrag entsteht nur, wenn das Geld über Jahrzehnte investiert bleibt, die Kosten niedrig sind und sich die Kapitalmärkte langfristig positiv entwickeln.
Eltern sollten außerdem genau unterscheiden zwischen staatlicher Förderung und freiwilligen eigenen Einzahlungen. Das geförderte Kapital ist grundsätzlich bis zum Rentenalter gebunden und steht nicht für Ausbildung, Studium oder andere frühe Lebensziele zur Verfügung.
Für den Moment reicht es, die konkreten Angebote und den praktischen Start abzuwarten. Sobald die ersten Verträge verfügbar sind, werden vor allem Kosten, Anlagekonzept, Flexibilität und der Umgang mit privaten Zuzahlungen über die Attraktivität der Frühstartrente entscheiden.
Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung dar.
Quellen und weiterführende Informationen
- Deutscher Bundestag: Bundestag beschließt die Frühstartrente, 16. Oktober 2026 Deutscher Bundestag
- Bundesregierung: Frühstartrente – Startkapital für private Altersvorsorge, 16. Oktober 2026 Bundesregierung
- Gesetzentwurf zur Einführung einer Frühstartrente, Bundestagsdrucksache 21/7864 dserver.bundestag.de
Häufige Fragen zur Frühstartrente
Die wichtigsten Antworten zur staatlichen Förderung, zur Kapitalanlage und zu den Aufgaben der Eltern.
Was ist die Frühstartrente?
Die Frühstartrente ist eine staatlich geförderte Altersvorsorge für Kinder. Der Bund zahlt monatlich zehn Euro in eine langfristige, kapitalgedeckte Anlage ein. Das angesparte Vermögen ist für die spätere Altersvorsorge des Kindes bestimmt.
Ist die Frühstartrente bereits beschlossen?
Ja. Der Deutsche Bundestag hat die Einführung der Frühstartrente am 16. Oktober 2026 beschlossen. Der praktische Start ist für Januar 2027 vorgesehen. Bis dahin müssen unter anderem die konkreten Produkte und technischen Abläufe bereitgestellt werden.
Welche Kinder bekommen die zehn Euro vom Staat?
Die Förderung beginnt zunächst mit dem Geburtsjahrgang 2020. Anschließend soll jedes Jahr der jeweils sechsjährige Geburtsjahrgang aufgenommen werden. Ältere Kinder erhalten nach dem beschlossenen Modell nicht automatisch eine rückwirkende Förderung.
Wie hoch ist die staatliche Förderung?
Der Staat zahlt monatlich zehn Euro pro Kind. Bei zwölf vollständigen Förderjahren ergeben sich staatliche Einzahlungen von insgesamt 1.440 Euro. Durch die langfristige Kapitalanlage kann der spätere Depotwert höher ausfallen.
Müssen Eltern selbst ein Depot eröffnen?
Eltern können bei einem zugelassenen Anbieter einen individuellen Frühstartrenten-Vertrag eröffnen. Der staatliche Zuschuss soll danach automatisch über den Anbieter gutgeschrieben werden. Ein monatlicher Antrag ist nicht vorgesehen.
Was passiert, wenn Eltern keinen Vertrag abschließen?
Die staatliche Förderung soll nicht verloren gehen. Wird kein individueller Vertrag eröffnet, werden die Beiträge kollektiv am Kapitalmarkt angelegt. Die Verwaltung dieser Auffanglösung soll die Deutsche Bundesbank übernehmen.
Wie wird das Geld der Frühstartrente angelegt?
Bei einem individuellen Vertrag richtet sich die Anlage nach dem ausgewählten zugelassenen Produkt. Für die kollektive Lösung ist eine breit gestreute Anlage in globale Aktien oder Aktienfonds vorgesehen. Auch bei einer breiten Streuung bleiben zwischenzeitliche Kursverluste möglich.
Können Eltern zusätzlich eigenes Geld einzahlen?
Ja. Freiwillige private Einzahlungen sollen möglich sein. Dabei sollten Eltern berücksichtigen, dass dieses Geld langfristig für die Altersvorsorge gebunden bleibt und nicht für Studium, Ausbildung, Führerschein oder die erste Wohnung zur Verfügung steht.
Kann das Kind mit 18 Jahren über das Geld verfügen?
Nein. Die Frühstartrente ist kein frei verfügbares Kinderdepot. Das geförderte Kapital soll grundsätzlich erst ab dem vollendeten 65. Lebensjahr ausgezahlt werden können. Mit der Volljährigkeit ist ein Übergang in die geförderte private Altersvorsorge vorgesehen.
Bleiben die Erträge steuerfrei?
Während der Ansparphase sollen die Erträge zunächst steuerfrei bleiben. Das bedeutet jedoch nicht, dass die spätere Auszahlung vollständig steuerfrei ist. Maßgeblich sind die gesetzlichen Regeln und das persönliche Einkommen im späteren Auszahlungszeitraum.
Ist die Frühstartrente ein Ersatz für ein Kinderdepot?
Nicht unbedingt. Die Frühstartrente ist für die Altersvorsorge bestimmt und sehr langfristig gebunden. Ein gewöhnliches Kinderdepot kann dagegen auch für frühere Ziele wie Ausbildung, Studium oder die erste eigene Wohnung vorgesehen werden.
Was müssen Eltern jetzt konkret tun?
Eltern müssen derzeit keinen Vertrag überstürzt abschließen. Zunächst sollte geprüft werden, ob das Kind zu einem geförderten Jahrgang gehört und welche Anbieter tatsächlich zugelassen werden. Beim Vergleich sind besonders Kosten, Anlagekonzept, Streuung und Vertragsbedingungen wichtig.
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