Altersvorsorgedepot ab 2027: Lohnt sich die staatliche Förderung?
AktienDummy.de | 📅 04.11.2026 | 🔗 Allgemein
Das geplante Altersvorsorgedepot soll private Vorsorge mit Fonds und ETFs ermöglichen. Doch wie funktioniert die staatliche Förderung, welche Kosten können entstehen und für wen könnte sich das neue Modell lohnen?
Inhalt
Altersvorsorgedepot ab 2027: Lohnt sich die staatliche Förderung?
Stand: 21. Oktober 2026
Das Altersvorsorgedepot soll ab dem 1. Januar 2027 eine neue Möglichkeit schaffen, staatlich gefördert am Kapitalmarkt für den Ruhestand zu sparen. Im Unterschied zur bisherigen Riester-Rente darf das Geld dabei auch ohne Beitragsgarantie in Fonds und ETFs investiert werden.
Das eröffnet höhere Renditechancen, bringt aber ebenso Kursschwankungen und Verlustrisiken mit sich. Zudem bleibt das Altersvorsorgedepot ein zweckgebundener Vorsorgevertrag. Es ist deshalb nicht mit einem gewöhnlichen und jederzeit verfügbaren Wertpapierdepot gleichzusetzen.
Wie hoch fällt die Förderung aus? Welche Kosten können entstehen? Wann darfst du auf das Geld zugreifen? Und ist ein gefördertes Altersvorsorgedepot tatsächlich besser als ein normaler ETF-Sparplan?
Was ist das neue Altersvorsorgedepot?
Das Altersvorsorgedepot ist Bestandteil der Reform der steuerlich geförderten privaten Altersvorsorge. Es soll die bisherigen Riester-Produkte für Neuabschlüsse ablösen und den langfristigen Vermögensaufbau am Kapitalmarkt erleichtern.
Das Altersvorsorgereformgesetz wurde 2026 beschlossen und ist bereits in Kraft. Die praktische Umsetzung beginnt jedoch erst am 1. Januar 2027. Ab diesem Zeitpunkt sollen Banken, Versicherungen und andere Finanzdienstleister die neuen zertifizierten Altersvorsorgeprodukte anbieten können.
Das Besondere am Altersvorsorgedepot: Erstmals wird innerhalb dieser Form der privaten Altersvorsorge ein Depot ohne Garantie zugelassen. Dadurch kann ein größerer Teil des Geldes in chancenorientierte Anlagen wie Aktienfonds und ETFs fließen.
Wer mehr Sicherheit bevorzugt, soll weiterhin Garantieprodukte wählen können. Dabei werden Varianten mit einer Garantie von 80 oder 100 Prozent der eingezahlten Beiträge einschließlich der Zulagen angeboten.
Ist das Altersvorsorgedepot ein normales ETF-Depot?
Nein. Auch wenn ETFs im Altersvorsorgedepot verwendet werden können, gelten andere Regeln als bei einem normalen Wertpapierdepot.
| Merkmal | Altersvorsorgedepot | Normales ETF-Depot |
|---|---|---|
| Staatliche Zulagen | Ja | Nein |
| Steuerliche Förderung | Ja | Keine besondere Altersvorsorgeförderung |
| Freie Produktauswahl | Nur zugelassene Anlagen | Grundsätzlich freie Auswahl |
| Zugriff während der Ansparphase | Stark eingeschränkt | Verkauf und Auszahlung jederzeit möglich |
| Kapitalgarantie | Beim Depot nicht vorgesehen | Keine |
| Besteuerung | Grundsätzlich nachgelagert | Besteuerung während der Anlagedauer und beim Verkauf |
| Verwendung | Für die Altersvorsorge gebunden | Frei verwendbar |
| Auszahlung | Rente oder langfristiger Auszahlungsplan | Jederzeit frei verfügbar |
Ein gewöhnlicher ETF-Sparplan bietet dir mehr Freiheit. Du kannst die Sparrate ändern, den Sparplan pausieren, Anteile verkaufen und das Geld für beliebige Zwecke verwenden.
Das Altersvorsorgedepot belohnt dagegen die langfristige Bindung mit staatlichen Zulagen und steuerlichen Vorteilen.
Wie hoch ist die staatliche Förderung?
Die neue Grundzulage richtet sich nach deinem tatsächlich eingezahlten Eigenbeitrag. Anders als bei der bisherigen Riester-Förderung wird sie damit unmittelbar an deine Sparleistung gekoppelt.
Für deine Einzahlungen gelten zwei Förderstufen:
- Auf die ersten 360 Euro Eigenbeitrag im Jahr erhältst du 50 Prozent Zulage.
- Auf den Teil zwischen 360 und 1.800 Euro erhältst du 25 Prozent Zulage.
- Die maximale Grundzulage beträgt dadurch 540 Euro pro Jahr.
- Zusätzliche Einzahlungen erhöhen die Zulage nicht weiter.
Die maximale Grundzulage ist bei einem Eigenbeitrag von 1.800 Euro im Jahr erreicht. Das entspricht einer monatlichen Sparrate von 150 Euro.
Beispiele für die Grundzulage
| Eigener Beitrag pro Monat | Eigener Beitrag pro Jahr | Grundzulage | Gesamtbeitrag pro Jahr |
|---|---|---|---|
| 10 € | 120 € | 60 € | 180 € |
| 25 € | 300 € | 150 € | 450 € |
| 30 € | 360 € | 180 € | 540 € |
| 50 € | 600 € | 240 € | 840 € |
| 100 € | 1.200 € | 390 € | 1.590 € |
| 150 € | 1.800 € | 540 € | 2.340 € |
| 200 € | 2.400 € | 540 € | 2.940 € |
Die Tabelle zeigt einen wichtigen Punkt: Die prozentuale Förderung ist bei den ersten 360 Euro besonders hoch. Danach sinkt die Förderquote für zusätzliche Einzahlungen.
Das bedeutet aber nicht automatisch, dass eine Sparrate von 30 Euro für jeden optimal ist. Für eine ausreichende Altersvorsorge dürfte dieser Betrag in vielen Fällen zu niedrig sein. Die Förderung und die tatsächlich benötigte Sparleistung sind zwei unterschiedliche Fragen.
Wie funktioniert die Kinderzulage?
Eltern erhalten zusätzlich eine Kinderzulage von bis zu 300 Euro pro Kind und Jahr. Die volle Kinderzulage soll bereits bei einem eigenen Jahresbeitrag von 300 Euro erreichbar sein. Dafür müssten monatlich 25 Euro eingezahlt werden.
Bei einem Kind kann eine Einzahlung von 300 Euro damit folgendermaßen aussehen:
- eigener Jahresbeitrag: 300 Euro
- Grundzulage: 150 Euro
- Kinderzulage: 300 Euro
- gesamter Jahresbeitrag: 750 Euro
Der Staat würde in diesem vereinfachten Beispiel 450 Euro beisteuern. Dadurch kann das Altersvorsorgedepot besonders für Familien mit Kindern interessant werden.
Ob und welchem Elternteil die Kinderzulage zugeordnet wird, hängt von den persönlichen und rechtlichen Voraussetzungen ab. Familien sollten deshalb nicht nur die beworbene Maximalförderung betrachten, sondern anhand ihrer tatsächlichen Situation rechnen.
Gibt es einen Bonus für Berufseinsteiger?
Wer vor seinem 25. Geburtstag einen förderfähigen Altersvorsorgevertrag abschließt, erhält zusätzlich einen einmaligen Berufseinsteigerbonus von 200 Euro.
Der Bonus ist hilfreich, sollte aber nicht den Ausschlag für einen vorschnellen Vertragsabschluss geben. Bei einer Laufzeit von mehreren Jahrzehnten haben die laufenden Kosten, die gewählte Geldanlage und die spätere Besteuerung wesentlich größere Auswirkungen als eine einmalige Zahlung.
Wer darf das Altersvorsorgedepot nutzen?
Der förderberechtigte Personenkreis wird gegenüber dem bisherigen Riester-System erweitert. Neben Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern sollen unter anderem auch folgende Gruppen die Förderung nutzen können:
- Selbstständige
- Freiberufler
- Gewerbetreibende
- bestimmte Mitglieder berufsständischer Versorgungswerke
Gerade für Selbstständige ist das interessant, weil sie häufig weder eine klassische betriebliche Altersversorgung noch einen automatisch aufgebauten zusätzlichen Vorsorgeanspruch besitzen.
Ein Altersvorsorgedepot ersetzt allerdings keine individuelle Vorsorgeplanung. Bevor du dich für ein Produkt entscheidest, solltest du zunächst prüfen, welche Einnahmen du im Ruhestand voraussichtlich bereits aus der gesetzlichen Rente, einer betrieblichen Altersversorgung, Immobilien oder anderen Anlagen erhältst.
Wie viel darf in das Altersvorsorgedepot eingezahlt werden?
Einzahlungen sind bis zu 6.840 Euro pro Jahr möglich. Das entspricht 570 Euro im Monat.
Die maximale Grundzulage von 540 Euro wird jedoch bereits bei einem Eigenbeitrag von 1.800 Euro erreicht. Höhere Einzahlungen führen daher nicht automatisch zu weiteren Zulagen.
Sie können trotzdem steuerlich interessant sein, weil das bestehende Prinzip des Sonderausgabenabzugs fortgeführt wird. Dabei prüft das Finanzamt, ob der zusätzliche Steuervorteil höher ist als die bereits gewährten Zulagen.
Wie groß dieser Vorteil ausfällt, hängt unter anderem von deinem Einkommen, deinem persönlichen Steuersatz, deinen Einzahlungen und deiner familiären Situation ab. Eine hohe Einzahlung ist deshalb nicht für jeden gleichermaßen sinnvoll.
Sind die Einzahlungen steuerlich absetzbar?
Beiträge zu einem zertifizierten Altersvorsorgevertrag können grundsätzlich im Rahmen der vorgesehenen Höchstbeträge als Sonderausgaben berücksichtigt werden.
Dabei findet eine sogenannte Günstigerprüfung statt. Das Finanzamt vergleicht, ob die Steuerersparnis durch den Sonderausgabenabzug höher ausfällt als die erhaltenen Zulagen. Ist das der Fall, wird die Differenz über den Steuerbescheid berücksichtigt.
Vereinfacht bedeutet das:
- Personen mit niedrigem oder mittlerem Einkommen profitieren häufig besonders von den direkten Zulagen.
- Familien können durch die Kinderzulagen eine hohe Förderquote erreichen.
- Bei höheren Einkommen kann der zusätzliche Steuervorteil stärker ins Gewicht fallen.
Die steuerliche Förderung ist allerdings keine endgültige Steuerbefreiung. Die späteren Auszahlungen müssen grundsätzlich versteuert werden.
Was bedeutet nachgelagerte Besteuerung?
Während der Ansparphase können Erträge innerhalb des geförderten Vertrags zunächst ohne die übliche laufende Besteuerung weiter angelegt werden. Dadurch bleibt mehr Kapital im Vertrag, das langfristig weitere Erträge erwirtschaften kann.
Dieser Effekt ähnelt dem Zinseszinseffekt: Je länger Erträge investiert bleiben, desto stärker können sie zum weiteren Wachstum beitragen.
Im Ruhestand werden die Auszahlungen jedoch grundsätzlich als Einkommen versteuert. Man spricht deshalb von einer nachgelagerten Besteuerung.
Ob daraus tatsächlich ein Steuervorteil entsteht, hängt von deinem persönlichen Steuersatz ab. Häufig ist das Einkommen im Ruhestand niedriger als während des Berufslebens. Das muss jedoch nicht in jedem Einzelfall so sein.
Wichtig ist außerdem der Vergleich mit einem normalen Aktien-ETF. Bei einem privaten Depot können je nach Fondsart steuerliche Teilfreistellungen gelten. Diese Begünstigung lässt sich nicht ohne Weiteres mit der nachgelagerten Besteuerung eines geförderten Altersvorsorgevertrags gleichsetzen.
Welche Anlagen sind im Altersvorsorgedepot möglich?
Das Altersvorsorgedepot soll eine kapitalmarktorientierte Anlage ermöglichen. Dafür kommen insbesondere geeignete Fonds und ETFs infrage.
Du wirst voraussichtlich nicht automatisch jeden ETF kaufen können, den du auch in einem freien Depot findest. Förderfähig sind nur Anlagen, die innerhalb eines zertifizierten Altersvorsorgevertrags angeboten werden und die gesetzlichen Anforderungen erfüllen.
Bei der späteren Produktauswahl solltest du deshalb unter anderem auf folgende Punkte achten:
- Welche ETFs und Fonds stehen zur Auswahl?
- Wie breit sind die enthaltenen Anlagen gestreut?
- Gibt es einen hohen Anteil einzelner Länder oder Branchen?
- Wie hoch sind Produkt-, Depot- und Verwaltungskosten?
- Können Sparraten kostenlos geändert werden?
- Was kostet ein Anbieterwechsel?
- Wird das Portfolio vor dem Ruhestand automatisch defensiver ausgerichtet?
- Welche Möglichkeiten bestehen während der Auszahlungsphase?
Eine große Anzahl an Fonds ist dabei nicht automatisch ein Qualitätsmerkmal. Für viele Anleger könnte eine einfache, weltweit gestreute Anlage ausreichen. Wie ein solches Konzept grundsätzlich funktioniert, erfährst du im Beitrag über das Weltportfolio mit ETFs.
Gibt es ein Standarddepot?
Zur besseren Orientierung ist ein standardisiertes und vergleichsweise einfaches Produkt vorgesehen. Beim Standarddepot werden die Effektivkosten auf höchstens 1 Prozent begrenzt.
Zusätzlich wurde die gesetzliche Möglichkeit geschaffen, ein Standarddepot durch einen öffentlichen Träger anzubieten. Ein solches Angebot könnte eine Vergleichsgröße für private Anbieter darstellen.
Ein Kostendeckel von 1 Prozent bedeutet jedoch nicht, dass ein Produkt automatisch günstig ist. Bei sehr langen Laufzeiten kann bereits ein Unterschied von wenigen Zehntelprozentpunkten einen erheblichen Teil des möglichen Endvermögens ausmachen.
Warum die Kosten so wichtig sind
Angenommen, du zahlst 30 Jahre lang jeden Monat 150 Euro ein. Ohne Förderung ergeben sich 54.000 Euro eigene Einzahlungen.
Bei einer angenommenen Bruttorendite von 6 Prozent pro Jahr könnten daraus vor Kosten ungefähr 151.000 Euro werden. Verringert sich die jährliche Nettorendite aufgrund höherer Kosten auf 5 Prozent, läge der rechnerische Endwert nur noch bei etwa 125.000 Euro.
Das sind rund 26.000 Euro Unterschied. Die Werte sind keine Prognose, zeigen aber, wie stark laufende Kosten über mehrere Jahrzehnte wirken können.
Mit dem ETF-Sparplan-Rechner kannst du unterschiedliche Sparraten, Laufzeiten und Renditeannahmen selbst vergleichen. Dabei solltest du bedenken, dass reale Börsenrenditen schwanken und niemals gleichmäßig verlaufen.
Besteht eine Garantie für das eingezahlte Geld?
Beim eigentlichen Altersvorsorgedepot gibt es keine Garantie für deine Einzahlungen. Der Wert kann während schwacher Börsenphasen deutlich fallen und zeitweise auch unter der Summe deiner Beiträge und Zulagen liegen.
Gerade ein hoher Aktienanteil kann zu erheblichen Schwankungen führen. Dafür bestehen langfristig höhere Renditechancen als bei einem Produkt, das das gesamte eingezahlte Kapital garantieren muss.
Wenn dir eine Garantie wichtig ist, kannst du stattdessen ein gefördertes Garantieprodukt wählen. Vorgesehen sind Garantievarianten mit 80 oder 100 Prozent der eingezahlten Beiträge einschließlich der Zulagen.
Eine Garantie ist allerdings nicht kostenlos. Um sie sicherzustellen, muss ein größerer Teil des Vermögens vorsichtig angelegt werden. Das kann die langfristige Rendite verringern.
Wann kannst du auf das Geld zugreifen?
Das Altersvorsorgedepot ist für den Ruhestand bestimmt. Bei ab 2027 abgeschlossenen Verträgen beginnt die Auszahlungsphase grundsätzlich frühestens mit dem vollendeten 65. Lebensjahr.
Ein früherer Beginn kann möglich sein, wenn bereits vorher eine gesetzliche Altersrente oder eine vergleichbare Altersversorgung bezogen wird. Spätestens mit 70 Jahren muss die Auszahlungsphase beginnen.
Eine freie Auszahlung während der Ansparphase ist grundsätzlich nicht vorgesehen. Eine vorzeitige Verwendung kann als schädliche Verwendung gelten und zur Rückzahlung von Zulagen und Steuervorteilen führen.
Diese Einschränkung ist einer der größten Unterschiede zu einem normalen Depot. Wenn du das Geld möglicherweise für eine Immobilie, eine berufliche Auszeit oder eine größere Anschaffung benötigst, solltest du nicht deine gesamte langfristige Sparleistung in einen gebundenen Altersvorsorgevertrag stecken.
Ein frei verfügbarer Notgroschen und eine realistische Haushaltsplanung bleiben wichtig. Mit dem Budgetrechner kannst du prüfen, welcher monatliche Betrag dauerhaft zur Verfügung steht.
Wie wird das Geld im Ruhestand ausgezahlt?
Für die Auszahlungsphase sind mehrere Varianten vorgesehen. Dazu gehören insbesondere:
- eine lebenslange Rente,
- eine Kombination aus garantierter und variabler Rentenzahlung,
- ein langfristiger Auszahlungsplan,
- eine einmalige Entnahme von bis zu 30 Prozent des vorhandenen Kapitals zu Beginn der Auszahlungsphase.
Ein Auszahlungsplan muss grundsätzlich so ausgestaltet sein, dass er mindestens bis zum 85. Lebensjahr reicht. Dadurch soll verhindert werden, dass das geförderte Kapital bereits kurz nach dem Renteneintritt vollständig verbraucht wird.
Welche Variante günstiger ist, hängt von deiner Lebenserwartung, deinem Sicherheitsbedürfnis, den Kosten und deinen weiteren Alterseinkünften ab. Eine hohe monatliche Anfangsauszahlung kann attraktiv wirken, erhöht aber das Risiko, dass später weniger Kapital zur Verfügung steht.
Was passiert mit bestehenden Riester-Verträgen?
Bestehende Riester-Verträge werden nicht automatisch beendet oder in ein Altersvorsorgedepot umgewandelt.
Du kannst einen vorhandenen Vertrag grundsätzlich weiterführen. Alternativ soll ein freiwilliger Wechsel in die neue Produktwelt möglich sein. Ab 2027 können jedoch keine neuen Verträge mehr nach dem alten Riester-Modell abgeschlossen werden.
Ob sich ein Wechsel lohnt, lässt sich nicht pauschal beantworten. Besonders sorgfältig solltest du folgende Punkte vergleichen:
- garantierte Leistungen des bestehenden Vertrags,
- vorhandener Garantiezins,
- bisher angesammeltes Kapital,
- Abschluss- und Vertriebskosten,
- laufende Verwaltungskosten,
- Restlaufzeit bis zum Ruhestand,
- mögliche Wechsel- oder Übertragungskosten,
- Verlust bestehender Vertragsvorteile,
- persönliche Risikobereitschaft.
Einen älteren Vertrag nur wegen der Aussicht auf höhere Aktienrenditen zu kündigen, kann teuer sein. Vor allem gut verzinste Altverträge oder Verträge mit bereits bezahlten Abschlusskosten sollten individuell geprüft werden.
Lohnt sich das Altersvorsorgedepot?
Das Altersvorsorgedepot kann attraktiv sein, wenn du die staatliche Förderung vollständig nutzen kannst, lange investiert bleibst und ein kostengünstiges Produkt auswählst.
Besonders interessant könnte es sein für:
- Familien mit Kindern,
- Menschen mit kleinen oder mittleren Sparraten,
- junge Berufseinsteiger,
- Selbstständige ohne betriebliche Altersversorgung,
- langfristig orientierte Anleger mit ausreichendem Notgroschen,
- Personen, die eine verbindliche Zweckbindung für ihre Altersvorsorge wünschen.
Weniger passend kann es sein, wenn du:
- jederzeit frei über dein Geld verfügen möchtest,
- bereits kurz vor dem Ruhestand stehst,
- hohe Produkt- oder Verwaltungskosten zahlen müsstest,
- nur eine sehr eingeschränkte Fondsauswahl erhältst,
- mit starken Kursschwankungen nicht umgehen kannst,
- bereits über einen besonders vorteilhaften Altvertrag verfügst.
Altersvorsorgedepot oder eigener ETF-Sparplan?
Die entscheidende Frage lautet nicht zwingend „entweder oder“. Beide Varianten können unterschiedliche Aufgaben übernehmen.
Das Altersvorsorgedepot kann für den Teil deiner Sparrate sinnvoll sein, mit dem du eine attraktive Förderung erhältst. Ein zusätzlicher freier ETF-Sparplan sorgt dagegen für Flexibilität und ermöglicht dir den Zugriff auf das Geld vor dem Rentenalter.
Ein mögliches Modell könnte daher so aussehen:
- Notgroschen aufbauen.
- Teure Schulden reduzieren.
- Förderhöhe des Altersvorsorgedepots berechnen.
- Kosten und Anlagemöglichkeiten des konkreten Vertrags prüfen.
- Zusätzlich frei verfügbares Vermögen aufbauen.
Damit vermeidest du, dass dein gesamtes langfristiges Vermögen bis zum Rentenalter gebunden ist.
Fünf Fragen vor dem Vertragsabschluss
Bevor du ein Altersvorsorgedepot eröffnest, solltest du diese Fragen beantworten:
1. Wie hoch ist meine persönliche Förderung?
Rechne Grundzulage, mögliche Kinderzulagen und den steuerlichen Vorteil getrennt aus. Eine beworbene Maximalförderung gilt nicht automatisch für jeden Vertrag und jeden Haushalt.
2. Wie hoch sind alle Kosten?
Achte nicht nur auf die Kosten des ETFs. Hinzukommen können Vertrags-, Depot-, Verwaltungs-, Wechsel- und Auszahlungskosten.
3. Welche Anlagen darf ich auswählen?
Prüfe, ob breit gestreute und kostengünstige ETFs angeboten werden. Ein Fonds mit einer bekannten Bezeichnung ist nicht automatisch sinnvoll oder günstig.
4. Kann ich langfristig auf das Geld verzichten?
Das Kapital ist für die Altersvorsorge gebunden. Für kurzfristige Ziele solltest du separate Rücklagen besitzen.
5. Wie funktioniert die Auszahlung?
Vergleiche lebenslange Rente, Auszahlungsplan, Kosten und steuerliche Folgen. Die Ansparphase allein sagt noch nicht, wie attraktiv der gesamte Vertrag ist.
Fazit: Gute Förderung, aber kein Selbstläufer
Das Altersvorsorgedepot beseitigt mehrere Schwächen der bisherigen Riester-Rente. Die Möglichkeit, ohne Beitragsgarantie in Fonds und ETFs anzulegen, verbessert die langfristigen Renditechancen. Gleichzeitig wird die Förderung transparenter an die eigene Sparleistung gekoppelt.
Die maximale Grundzulage von 540 Euro pro Jahr ist beachtlich. Familien können durch die Kinderzulage zusätzlich profitieren. Auch die Öffnung für Selbstständige erweitert den Nutzen der geförderten privaten Altersvorsorge.
Trotzdem macht die Förderung aus einem teuren oder ungeeigneten Produkt keine gute Altersvorsorge. Entscheidend bleiben die Gesamtkosten, die konkrete Fondsauswahl, die lange Kapitalbindung, das Verlustrisiko und die spätere Besteuerung.
Ein sinnvoller Vergleich sollte daher nicht nur fragen, wie viel der Staat einzahlt. Wichtiger ist, wie viel nach Kosten, Steuern und mehreren Jahrzehnten tatsächlich für deinen Ruhestand übrig bleibt.
Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine Anlage-, Steuer-, Versicherungs- oder Rechtsberatung dar. Kapitalmarktanlagen unterliegen Wertschwankungen und können Verluste verursachen.
Quellen und weiterführende Informationen
- Bundesregierung: Fragen und Antworten zur Reform der privaten Altersvorsorge, Stand 1. Juni 2026 – Angaben zu Inkrafttreten, Förderung, Kinderzulage, Kostenbegrenzung und bestehenden Riester-Verträgen.
- Deutscher Bundestag: Bundestag beschließt das Altersvorsorgedepot, 27. März 2026 – Informationen zur beschlossenen Ausgestaltung, Förderstaffel, Kinderzulage, Standarddepot und Einbeziehung Selbstständiger.
- Deutscher Bundestag: Gesetzgebungsverfahren zum Altersvorsorgereformgesetz – Dokumentation des parlamentarischen Verfahrens.
- Bundestagsdrucksache 21/4088: Entwurf des Altersvorsorgereformgesetzes – gesetzliche Details zu Altersvorsorgedepot, Auszahlung, Vertragswechsel und Besteuerung.
Häufige Fragen zum Altersvorsorgedepot 2027
Hier findest du die wichtigsten Antworten zur staatlichen Förderung, ETF-Auswahl, Besteuerung und späteren Auszahlung.
Was ist das Altersvorsorgedepot?
Das Altersvorsorgedepot ist eine neue Form der staatlich geförderten privaten Altersvorsorge. Innerhalb eines zertifizierten Vertrags kannst du langfristig in Fonds und ETFs investieren. Beim renditeorientierten Altersvorsorgedepot ist keine Garantie der eingezahlten Beiträge vorgeschrieben.
Ab wann gibt es das Altersvorsorgedepot?
Die neuen Altersvorsorgeprodukte sollen ab dem 1. Januar 2027 angeboten werden. Das Altersvorsorgereformgesetz wurde 2026 beschlossen und ist bereits in Kraft. Welche Anbieter und konkreten Produkte unmittelbar zum Start verfügbar sein werden, bleibt abzuwarten.
Wie hoch ist die staatliche Förderung?
Auf die ersten 360 Euro Eigenbeitrag im Jahr erhältst du eine Grundzulage von 50 Prozent. Für den Teil deiner Einzahlungen zwischen 360 und 1.800 Euro beträgt die Zulage 25 Prozent. Dadurch sind höchstens 540 Euro Grundzulage pro Jahr möglich.
Wie viel muss ich für die maximale Grundzulage einzahlen?
Für die maximale Grundzulage musst du 1.800 Euro im Jahr selbst einzahlen. Das entspricht 150 Euro im Monat. Zusammen mit der maximalen Grundzulage fließen dadurch 2.340 Euro pro Jahr in deinen Altersvorsorgevertrag.
Gibt es eine Kinderzulage?
Ja. Pro Kind ist eine Kinderzulage von bis zu 300 Euro im Jahr vorgesehen. Die volle Kinderzulage kann bereits bei einem Eigenbeitrag von 300 Euro jährlich beziehungsweise 25 Euro monatlich erreicht werden. Die persönlichen Voraussetzungen und die Zuordnung der Zulage müssen dabei berücksichtigt werden.
Wer kann das Altersvorsorgedepot nutzen?
Neben Arbeitnehmern können künftig auch Selbstständige, Freiberufler, Gewerbetreibende und bestimmte Mitglieder berufsständischer Versorgungswerke die Förderung nutzen. Damit wird der Kreis der Förderberechtigten gegenüber dem bisherigen Riester-System erweitert.
Kann ich im Altersvorsorgedepot jeden ETF kaufen?
Nein. Du kannst nur Fonds, ETFs und weitere Anlagen auswählen, die innerhalb des jeweiligen zertifizierten Vertrags angeboten werden. Die Auswahl kann daher kleiner sein als in einem gewöhnlichen Wertpapierdepot und sich zwischen den Anbietern unterscheiden.
Ist mein eingezahltes Geld garantiert?
Beim renditeorientierten Altersvorsorgedepot besteht keine Beitragsgarantie. Der Depotwert kann schwanken und zeitweise unter der Summe deiner Einzahlungen und Zulagen liegen. Alternativ sollen Garantieprodukte mit einem Garantieniveau von 80 oder 100 Prozent angeboten werden.
Kann ich das Geld vor dem Rentenalter auszahlen lassen?
Das angesparte Vermögen ist grundsätzlich für den Ruhestand vorgesehen. Bei ab 2027 abgeschlossenen Verträgen beginnt die reguläre Auszahlungsphase normalerweise frühestens mit 65 Jahren. Eine vorzeitige Verwendung kann zur Rückzahlung von Zulagen und Steuervorteilen führen.
Wie wird das Altersvorsorgedepot im Ruhestand ausgezahlt?
Vorgesehen sind unter anderem eine lebenslange Rente und ein langfristiger Auszahlungsplan. Zu Beginn der Auszahlungsphase können bis zu 30 Prozent des vorhandenen Kapitals auf einmal entnommen werden. Ein Auszahlungsplan muss grundsätzlich mindestens bis zum 85. Lebensjahr reichen.
Wie wird das Altersvorsorgedepot versteuert?
Während der Ansparphase können die Erträge innerhalb des Vertrags zunächst ohne laufende Besteuerung weiter investiert werden. Die späteren Auszahlungen unterliegen grundsätzlich der persönlichen Einkommensteuer. Es handelt sich daher um eine nachgelagerte Besteuerung und nicht um eine vollständige Steuerbefreiung.
Was passiert mit bestehenden Riester-Verträgen?
Bestehende Riester-Verträge werden nicht automatisch gekündigt oder umgewandelt. Du kannst deinen Vertrag grundsätzlich weiterführen oder einen freiwilligen Wechsel prüfen. Ob sich dieser lohnt, hängt unter anderem von Garantien, Kosten, Restlaufzeit und bestehenden Vertragsvorteilen ab.
Ist das Altersvorsorgedepot besser als ein normaler ETF-Sparplan?
Das lässt sich nicht pauschal sagen. Das Altersvorsorgedepot bietet staatliche Zulagen und mögliche Steuervorteile, bindet dein Kapital aber bis zum Ruhestand. Ein normaler ETF-Sparplan ist flexibler und frei verfügbar, erhält jedoch keine besondere Altersvorsorgeförderung.
Für wen kann sich das Altersvorsorgedepot lohnen?
Interessant kann es besonders für Familien, junge Berufseinsteiger, Selbstständige und langfristig orientierte Sparer sein. Entscheidend sind jedoch nicht allein die Zulagen. Berücksichtige ebenfalls die Gesamtkosten, die angebotenen Anlagen, deine Steuerbelastung und die langfristige Bindung des Kapitals.
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